Berlin : Weitere Etappe zur "Strecke ohne Ende"

Klaus Kurpjuweit

Auf dem Weg zur Rückkehr der "Strecke ohne Ende" hat die S-Bahn gestern eine weitere Etappe zurückgelegt. Seit Sonntagmittag fahren die Züge auf dem Nordring wieder bis zum Bahnhof Westhafen, der 1980, als die Reichsbahn den Betrieb einstellte, noch Putlitzstraße hieß. Jetzt müssen die Fahrgäste voraussichtlich "nur" noch zwei weitere Jahre warten, ehe Ende 2001 die letzte Lücke im Ring zwischen Westhafen und Gesundbrunnen geschlossen wird. Vorher wird noch die Verbindung Schönhauser Allee-Gesundbrunnen hergestellt.

14 Wiedereröffnungen von Streckenabschnitten hat es seit der Wiedervereinigung gegeben - meist erheblich später als geplant. Auch der Ring sollte einst bereits 1995 fertig sein. Jetzt kann der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen nur noch hoffen, wie er gestern sagte, nicht ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen - und zwar als Stadt mit der langsamsten Wiederinbetriebnahme von dringend benötigten Schnellbahnstrecken. Allerdings hatte der Senat auch kein Tempo gemacht, als die S-Bahn im Westteil der Stadt bis Anfang 1994 noch unter seiner Regie fuhr.

Dabei scheint der Aufbau im Schneckentempo für manche Planer immer noch zu schnell gewesen zu sein. Die Senatsverkehrsverwaltung hat es nicht geschafft, den Wunsch der BVG zu erfüllen, die Busse jetzt direkt auf der Beusselbrücke vor den Zugängen zur S-Bahn halten zu lassen. Dafür sei der Fahrbahnbelag nicht geeignet, heißt es in der Verwaltung. Ähnliche Probleme gab es bereits 1996 auf der Hermannbrücke in Neukölln nach der Eröffnung des U-Bahnhofes Hermannstraße. Dort fand man inzwischen eine Lösung, so dass die Busse am U-Bahn-Eingang halten können.

Auch der BVG reichte die Zeit nicht, um den U-Bahnhof Westhafen rechtzeitig zur S-Bahn-Wiedereröffnung zu sanieren. Seit Jahren fehlen dort die meisten Fliesen; die Betonwände sind nur provisorisch gestrichen. Immerhin sollen die Bauarbeiter nun Anfang 2000 anrücken und dann auf dem Umsteigebahnhof auch einen Aufzug einbauen. Dazu hatte es bisher nicht gereicht, obwohl in der Nähe eine Behindertenwerkstatt liegt.

Einen Verbindungsgang zur S-Bahn gab es seit Mitte der 70er Jahre. Er war beim Neubau der Putlitzbrücke entstanden. Doch 1980 musste er bereits wieder verrammelt werden, weil die Reichsbahn den S-Bahn-Verkehr auf dem Ring einstellte. Jetzt hat die BVG den Gang für 200 000 Mark renoviert; das Herausputzen des Bahnhofes wird 1,5 Millionen Mark kosten.

Den ersten Fahrgästen war dies gestern ziemlich egal. Die meisten waren froh, "ihre" S-Bahn wiederzuhaben. Die Züge waren gleich gut besetzt. Mit 5000 Fahrgästen pro Tag rechnet die S-Bahn GmbH. Alle zehn Minuten fahren die Züge der S 4 von Westhafen über den "Fast-Ring" nach Bernau. Dabei müssen die Fahrgäste aufpassen, denn zwischen Jungfernheide und Westhafen fahren die Züge immer auf dem gleichen Gleis hin und zurück. Ein Teil der Züge ist deshalb beim Linksverkehr auf der "falschen" Seite unterwegs.

Für eine Kehranlage oder eine Weichenverbindung am Westhafen hat das Geld nicht gereicht. Der Wiederaufbau der drei Kilometer langen Strecke von Jungfernheide zum Westhafen kostete insgesamt 61,5 Millionen Mark. Vielleicht gibt es aber Geld, um die Straßenbahnlinie 23 vom Eckernförder Platz in Wedding um wenige hundert Meter bis zum S-Bahnhof Beusselstraße verlängern zu können, wie es Bündnis 90 / Grüne fordern. Für diese Pläne sagte Diepgen gestern seine Unterstützung zu. Denn, so der Regierende: Früher sei er dort selbst regelmäßig umgestiegen.

Auf einer alten neuen Strecke fahren die S-Bahnen von heute an auch wieder zwischen Treptower Park und Baumschulenweg, wo die Sanierung jetzt abgeschlossen ist. Verzögerungen hatte es durch den Einsturz einer Brücke gegeben.

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