Berlin : Weitere grundständige Klassen am Nein der SPD gescheitert

BERLIN (Gru/RM).In Berlin wird es zum Schuljahr 1998/99 keine weiteren grundständigen Gymnasialzüge geben.Die vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verlangte Einrichtung von zusätzlich sieben 5.Klassen an Gymnasien scheiterte am Nein der SPD.Der Senat hat am Dienstag abend nicht über den Diepgen-Vorschlag entschieden, weil für die SPD die "Koalitionsfrage" berührt war, wonach kein Koalitionspartner überstimmt werden darf.

Diepgen bedauerte nach den Worten von Senatssprecher Butz die vorerst vertane Chance.Er habe die Sorge, daß "nicht die Elternwünsche, sondern Gewerkschafts- und Funktionärsinteressen gelten".Das Thema bleibe auf der Tagesordnung.Der Streit wurde durch die Wünsche Berliner und zuziehender Bonner Eltern ausgelöst."Wir wollen mit der Öffnung keine schulpolitische Revolution", sagte Butz.Dagegen meinte sein Stellvertreter Eduard Heußen (SPD), die 50jährige Tradition des Berliner Schulsystems mit der sechsjährigen Grundschule könne man "nicht in einer Woche umwerfen".Vor der Entscheidung sei eine bildungspolitische Debatte nötig: "Es geht um ein neues Konzept für die 5.und 6.Klassen." Zudem seien zusätzliche grundständige Gymnasialzüge zum neuen Schuljahr schon organisatorisch nicht mehr möglich, argumentierte er im Sinne der Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD).

Diepgen hatte sich allerdings nur eine ursprüngliche Vorlage der Schulsenatorin zu eigen gemacht, die von der SPD-Fraktion abgelehnt worden war.Er berief sich im Senat auf den Verfassungsgrundsatz der Bundestreue und auf den Hauptstadtvertrag.Auch die eigene Landeskompetenz könne man nicht ohne Rücksicht auf gesamtstaatliche Interessen wahrnehmen.Für das Schuljahr 1999/2000 verlangte er mindestens zwölf weitere 5.und 6.Gymnasialklassen.

In Berlin gibt es 36 grundständige Klassenzüge an 16 Gymnasien.111 Gymnasien beginnen mit der 7.Klasse.Den jetzt 1068 grundständigen Schülerplätzen stehen für das neue Schuljahr 2400 Anmeldungen aus Berlin und 100 aus Bonn gegenüber.Für das Schuljahr 1999/2000 hat das Landesschulamt laut Diepgen 3000 Anmeldungen aus Berlin "hochgerechnet", ferner 350 aus Bonn für 5.und 6.Gymnasialklassen.

Ingrid Stahmer betont dagegen, daß von den 100 Schülern aus Bonn nur einer "konkret" angemeldet worden sei.Es wird jedoch vermutet, daß die Zurückhaltung auf die bisher lediglich in Aussicht gestellte Entscheidung über die grundständigen Gymnasialzüge zurückzuführen ist.Frau Stahmer sieht keine "unmittelbaren Probleme für den Beginn" des neuen Schuljahres.Sie will die zuziehenden Kinder in das Berliner Schulsystem "einfädeln".So würden Sonderregelungen am Französischen Gymnasium und an der John-F.-Kennedy-Schule geprüft.

Ferner könnten bilinguale Schulen neue Klassen einrichten, und vorbereitet werde die "Grundschule 2000" als "Erprobung der Kooperation zwischen Grundschule und Gymnasium".Doch räumte die Senatorin ein, daß die Kennedy-Schule ihr Angebot gegenwärtig wegen der noch fehlenden amerikanischen Schüler kaum erweitern könne.Das Französische Gymnasium hatte zusätzliche 5.Klassen abgelehnt; die Anmeldungen betrafen Kinder in deutsch-französische Europa-Grundschulen.

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