Berlin : Weiterleben lernen

Die Kriseneinrichtung Neuhland kümmert sich um suizidgefährdete Jugendliche – dafür werden Spenden gebraucht

Viola Volland

Der Krankenwagen kam gerade noch rechtzeitig. Fast wäre Mandy* gestorben – an einer Überdosis Paracetamol. Die Tabletten hatte sie geschluckt, als sie es einfach nicht mehr ertragen konnte: den ewigen Streit mit der Mutter, die schlechten Zensuren in der Schule, die Trennung von ihrem Freund Paul*, ihrer ersten großen Liebe. Etwa einen Monat ist das jetzt her. Seit ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus lebt die 15-Jährige in einer betreuten Kriseneinrichtung der Beratungsstelle Neuhland für suizidgefährdete Jugendliche in Wilmersdorf.

Die Kriseneinrichtung bietet jungen Menschen wie Mandy Unterschlupf. Rund um die Uhr sind Betreuer vor Ort, um sich um bis zu 10 Jugendliche zu kümmern. Außerdem steht einmal die Woche Therapiesitzung bei einem Psychologen auf dem Programm. Für den nötigen Ausgleich sorgen gemeinsame Kinobesuche und Malstunden bei einer Kunstgestalterin. Im Durchschnitt bleiben die Jugendlichen einen bis drei Monate in der Krisenunterkunft. Anschließend ziehen sie wieder zu ihren Eltern – oder in eine betreute Wohngruppe.

Seit 20 Jahren hilft Neuhland Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich das Leben nehmen wollen – mit Hilfe ihrer Krisenunterkunft, einer therapeutischen WG und ihrer Beratungsstellen. Allein im Jahr 2001 haben die zehn Mitarbeiter 4651 persönliche Beratungsgespräche geführt. Denn so wie Mandy ergeht es vielen Jugendlichen. Allein in Berlin nimmt sich im Schnitt alle neun Tage ein junger Mensch das Leben. „Ein Suizidversuch drückt immer eine Krisensituation aus, er ist kein Todeswunsch. Besonders die Pubertät ist eine schwierige Zeit“, erklärt Gerd Storchmann, der Leiter der Krisenunterkunft bei Neuhland. Gerade Mädchen nutzen das Angebot der Einrichtung, über ihre Probleme und Selbstmordgedanken zu sprechen und gemeinsam mit den Beratern nach neuen Perspektiven zu suchen. Das heißt jedoch nicht, dass Jungen weniger selbstmordgefährdet wären, im Gegenteil. Sie nehmen sich im Schnitt sogar doppelt so häufig wie Mädchen das Leben. Seit Mai dieses Jahres bietet Neuhland neben der telefonischen Beratung (Tel. 873 01 11) sechsmal die Woche eine Chat-Beratung an ( www.neuhland.de ). Damit reagiert die Einrichtung auch auf Suizid-Foren im Internet, in denen sich junge Menschen über ihre Selbstmordfantasien austauschen. Auch Tagesspiegel-Leser können selbstmordgefährdeten Jugendlichen helfen, indem sie Neuhland mit einer Spende unterstützen. Die Einrichtung wünscht sich zu Weihnachten für die Kriseneinrichtungen zwei Computer, ein Sofa, Fahrräder und eine neue Musikanlage. Außerdem möchte neuhland neue Bücher kaufen. Der derzeitige Bestand ist veraltet. Das Lexikon ist zum Beispiel aus dem Jahre 1966. Da waren die Jugendlichen noch gar nicht geboren. (*Name von der Redaktion geändert)

Wenn Sie die Tagesspiegel-Spendenaktion unterstützen möchten: Stichwort „Menschen helfen!“, Kontonummer 25 00 30 942 bei der Berliner Sparkasse mit der Bankleitzahl 100 500 00. Bitte geben Sie auf dem Beleg Ihren Namen und die Anschrift komplett an, damit wir den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Online-Banking ist möglich.

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