Berlin : Welcome, Lenin

Die DDR kehrt zurück – in einen Spaßpark in Oberschöneweide

Steffi Bey

Im Kinofilm „Good bye, Lenin“ ist es nur eine Wohnung, in der die DDR munter weiterexistiert. In Oberschöneweide aber soll die realsozialistische Lebenswelt bald in einer ganzen Halle wieder auferstehen. So stellt es sich die Massine Productions GmbH vor. Ein „DDR-Fun-Park“ soll im Sommer 2004 eröffnen, vermutlich auf etwa 12 000 Quadratmetern in der „Rathenauhalle“ im ehemaligen Industriegebiet zwischen Wilhelminenhofstraße und Spree. Doch Susanna Reich, Kunsthistorikerin im Vorbereitungsteam, betont, dass es nicht darum gehe, sich über die DDR lustig zu machen.

„Wir wollen vielmehr einen Erlebnisraum schaffen und dort DDR-Alltagskultur zeigen.“ Die Besucher könnten beispielsweise in einem Restaurant „Made in GDR“ einkehren. Wie es sich gehörte mit Schildern am Eingang: „Sie werden platziert“. Ob die Kellner allerdings auf die Bestellungen der Gäste mit dem berüchtigten Satz „Hamm’ wa nich’!“ antworten, bleibt abzuwarten.

Wer will, kann sich die vor Erfolgsmeldungen in Sachen Planerfüllung nur so strotzende Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ durch Livemitschnitte in Erinnerung rufen. „Auch DDR-Filme sollen laufen, und es werden wahrscheinlich Theaterstücke aufgeführt“, sagt Reich. In einem extra angelegten Außenbereich kann man sich mit der „Rennpappe“, dem zum Kult gewordenen Trabi, vorwärts bewegen. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, Ostprodukte zu kaufen.

Noch nicht geklärt ist allerdings, woher die Ausstellungsstücke kommen sollen und wie die Requisiten gestaltet werden. Auch über den Ort besteht noch keine letzte Klarheit. Auf jeden Fall soll der DDR-Spaßpark im Ostteil der Stadt eingerichtet werden.

Susanna Reich, die aus Hamburg stammt und die Idee gemeinsam mit zwei anderen „Wessis“ entwickelte, reizt an dem Projekt „vor allem der Anspruch, ein kompliziertes Thema sensibel darzustellen“. Die Historikerin legt viel Wert darauf, „alles geschichtlich akkurat zu veranschaulichen“. Deshalb habe das Dreier-Team der Massine Productions GmbH noch umfangreiche Recherche-Arbeit vor sich. Das Unternehmen war bisher für Musical-Produktionen wie „Grease“ oder „Fame“ bekannt, auch die Deutschland-Tour des Chinesischen Staatszirkus.

Wer das längst untergegangene Land ab nächsten Sommer besuchen soll, wissen die Initiatoren jedenfalls schon ganz genau: Touristen und Schulklassen. Auch die Finanzierung des DDR-Parks sei gesichert, sagt Susanna Reich. Näher möchte sie sich derzeit nicht zu den potenziellen Geldgebern äußern. Die Gesamtkosten werden sich auf mehrere Millionen belaufen – Euro, nicht Mark der DDR. Und in heutiger Währung werden auch die Besucher zahlen müssen: Rund 12 Euro dürfte der Eintritt kosten.

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