Berlin : Welcome, Lenin!

Andreas Conrad

Über das Aussterben, Demontieren, Wegrosten West-Berliner Identität wird ja viel geklagt, jedenfalls auf davon betroffenem Terrain. Immer unbehauster ist die Seele der einstigen Insulaner, mehr und mehr fühlt sie sich von Leerstellen wie nun auch der vor dem skulpturlosen ICC umzingelt. Jetzt weiß man auch im Westen, wie denen im Osten zumute war, als ihr Lenin am Hubschrauberhaken davonschwebte, wie das in Wolfgang Beckers Erfolgsfilm „Good Bye, Lenin!“ historisch nicht ganz korrekt, aber doch einprägsam zu sehen war. Wobei sich die Frage stellt: Wo steckt Lenin eigentlich? Wie man hört, irgendwo im Köpenicker Wald, verbuddelt, zerlegt, aber leicht wieder zusammenzuschrauben. Das kann man als Chance begreifen. Allenthalben wird doch, da sich der Tag der Einheit wieder einmal jährt, davon geschwärmt, wie schön die beiden Stadthälften zusammengewachsen seien. Gäbe es dafür ein besseres Symbol, als Lenin aus dem Osten in den Westen zu transportieren und vor dem verwaisten ICC, einem Tempel des Kapitalismus, neu aufzustellen? Was wetten wir: Als neuer Touristenmagnet wäre der Bärtige unschlagbar.

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