Berlin : Wellness für die Goldelse

Prüfung des Monuments ergab Sanierungsbedarf

Helmut Caspar

Die Gefahr, beim Umrunden der Siegessäule von der herabstürzenden Goldelse erschlagen zu werden, kann als denkbar gering angesehen werden – der Dame wurde gerade wieder sicherer Stand attestiert. Aber leichte Zweifel bestehen daran eben doch, Anlass genug zu weiteren Untersuchungen.

Die Siegesgöttin wird jährlich auf ihre Standsicherheit geprüft, erst vor wenigen Tagen war es wieder so weit. Eine Tiefenprüfung ergab diesmal Sanierungsbedarf. In 50 Metern Höhe, von einem Auslegekran aus, wurden heikle Stellen wie die Verbindungen der beiden Flügel mit dem Rücken der Siegesgöttin begutachtet. Auch wurde überprüft, ob der Siegeskranz ausreichend an der rechten Hand befestigt ist.

„Nach einer ersten Untersuchung des Denkmals wurde festgestellt, dass die Bronzefigur standsicher ist. Allerdings zeigte sich auch, dass ihre Verankerung auf der Spitze der Siegessäule nicht ausreicht,“ sagte Joachim Zeller, als Stadtrat in Mitte zuständig für Wirtschaft und Immobilien. „Das muss weiter untersucht werden. Je nach Ergebnis erfolgen Sicherungsmaßnahmen.“ Mit dem Landesdenkmalamt werde jetzt ein Sanierungskonzept für die über acht Meter hohe Skulptur erarbeitet. Da an verschiedenen Partien die Schmuck- und Schutzschicht aus hauchdünnem Blattgold weggeflattert sei, müsse auch hier nachgebessert werden. Zeller zufolge muss der Bezirk Mitte die Sanierungskosten tragen. Doch hofft er auf Zuschüsse aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

Die Siegessäule erinnert an die preußisch-deutschen Kriege von 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich. Das Monument steht auf einer offenen runden Säulenhalle. Ursprünglich stand die Säule vor dem Reichstag, 1938 wurde sie im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Reichshauptstadt Berlin zu „Germania“ abgebaut und an den Großen Stern versetzt. Gegen Kriegsende wurde die Säule durch Artilleriebeschuss beschädigt. Die Alliierten verlangten zeitweise ihren Abbruch als Zeugnis des preußisch-deutschen Militarismus. 1991 hatte es einen Bombenanschlag auf die Figur gegeben: Sie wurde zwar schwer beschädigt, stürzte aber nicht herab.

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