Berlin : Weltkindertag: Schuhputzen für Unicef am Alex

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Berlin will ja eigentlich eine Dienstleistungsmetropole sein, aber so viel Service war den Meisten dann doch etwas suspekt. "Ich putz meine Schuhe schon selbst, und das regelmäßig", plärrten viele Passanten auf dem Alexanderplatz, fast schon ein bißchen beleidigt, dass Daniel Lehmann sich anbot, ihnen kostenlos die Schuhe zu putzen. Lehmann ist einer von 14 Schuhputzern, die in den kommenden zwei Wochen ihre Dienste anbieten werden, unter anderem am Potsdamer Platz, in den Schönhauser-Allee-Arcaden und den Gropius-Passagen. Anlass ist der Weltkindertag, denn nach getaner Arbeit bittet Lehmann seine Kunden um eine Spende für Unicef.

Auch Karin Weber aus Reinickendorf blickt sich peinlich berührt um, als Lehmann vor ihr niederkniet. "Das sieht ja so aus, als wenn ich hier jemanden ausbeute", sagt sie. Den Deutschen seien solche Dienste, wie auch ein Wäscheservice, einfach zu intim, glaubt sie.

Hans Schwenke aus Prenzlauer Berg sieht das anders. Er erinnert sich noch genau an die Zeit, als Schuhputzer auf dem Alex etwas ganz Normales waren. "Bis Ende der vierziger Jahre gab es die hier", sagt der Rentner. Dann habe die DDR-Regierung sie abgeschafft. Dass es in Zukunft wieder Schuhputzer in Berlin gibt, so wie in New York und Bombay, das hofft Schwenke aber doch nicht. Schuhputzer seien schließlich ein Zeichen für eine Armutsgesellschaft. "Die jungen Leute sollen lieber einen richtigen Beruf lernen", meint Schwenke mit einem Seitenblick auf Lehmann. Doch der ist im richtigen Leben nicht Schuhputzer, sondern Student der Literaturwissenschaft. Nebenbei jobbt er in der Werbung. Horst Krienelke ist vor allem gekommen, um sich ein paar Pflegetipps zu holen, denn er putzt nicht nur seine eigenen, sondern auch die Schuhe seiner Frau. Auf Lehmanns Stuhl hat er sich richtig bequem gemacht. "Schließlich gibt es ja auch Windschutzscheibenputzer in Berlin. Wieso also keine Schuhputzer?"

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