Berlin : Weltniveau

Das Kreativduo Mehdorn & Strieder schreibt Geschichte: „Berlin Hauptbahnhof – Lehrter Bahnhof“ soll es heißen

NAME

Berlin ist Hauptstadt, und deshalb braucht Berlin auch einen Hauptbahnhof. Jetzt bekommen wir ihn. Bei der Suche nach einem n für die künftige Zentralstation im Regierungsviertel war die Herausforderung für Bahnchef Hartmut Mehdorn und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder so groß wie das ehrgeizige Milliardenprojekt selbst. Nach einem langen kreativen Ringen haben sich die beiden jetzt auf ein kompromisslos-geniales Ergebnis verständigt: „Berlin Hauptbahnhof – Lehrter Bahnhof“.

Eine Meisterleistung, mit der sich Mehdorn und Strieder ein Andenken bewahren, das in unserer Weltmetropole über Generationen hinwegreichen wird. Denn mit dem neuen Hauptbahnhof ist Berlin erst wirklich eine Hauptstadt geworden, bedeutender als Paris oder London. Denn genaugenommen sind das gar keine richtigen Hauptstädte. Sie haben nämlich keinen Hauptbahnhof.

Die Taufpaten selbst geben sich bescheiden: „Der neue Name verbindet die Tradition und die Funktion als zentraler Fernverkehrs-Bahnhof Berlins“, erklären sie. Dabei gelang mit ihrem Vorschlag weit mehr. Im neuen Namen gehen Weltläufigkeit und Piefigkeit Hand in Hand, und damit zeigt Berlin wieder einmal vorbildlich: Eine echte europäische Hauptstadt muss sich seiner Provinzialität nicht schämen. Und, nicht zu vergessen, der neue Name ist demokratisch legitimiert. In einer Abstimmung, an der 8000 Berliner teilnahmen, hatten sich nämlich 70 Prozent für die Beibehaltung des alten Namens „Lehrter Bahnhof“ ausgesprochen. Natürlich konnte man diesem Vorschlag alleine wegen der Verwechslungsgefahr nicht entsprechen. Bei ihrer Ankunft am „Lehrter Bahnhof“ hätten künftige Berlin-Besucher annehmen können, sie hätten den falschen Zug erwischt und seien, statt in der deutschen Hauptstadt, in irgendeinem niedersächsischen Provinzkaff gelandet, das auf großen Bahnhof macht.

Möglichen Missverständnissen dieser Art hat das Kreativduo Mehdorn & Strieder mit dem ersten Namensteil „Berlin Hauptbahnhof“ vorgebeugt, ohne die Traditionalisten zu vergrätzen, die mit dem Zusatz „Lehrter Bahnhof“ auf ihre Kosten kommen. An Traditionen festzuhalten, ist ja an sich etwas Schönes. Und hat seinen praktischen Nutzen. Der Reichstag bleibt ja auch der Reichstag, wenn er zeitweise zum Sitz des Bundestages wird. Und kommt es dann wieder anders, muss man ihn nicht noch einmal umbenennen.

Wir können also die Stimmen der kleinmütigen Kritikaster beruhigt überhören, die den Berlinhauptbahnhoflehrterbahnhof als Namensungetüm verunglimpfen. Schließlich handelt es sich um den größten Bahnhof Europas, an dem auch ein viel längerer Name Platz gefunden hätte, zum Beispiel: Lehrter Hauptstadtzentralbahnhof der Europa-Metropole Berlin in Mitte. Und zwar in ganz großen Buchstaben. Stephan Wiehler

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben