Berlin : Weltreise im Zeitraffer

Beim All Nations Festival öffnen 33 Botschaften ihre Türen. Die Länder Mittelamerikas feiern gemeinsam

Sebastian Leber

Die bunten Tücher sind geglättet, die Felle der Trommeln frisch mit Öl eingerieben, jetzt steigt die Spannung vor dem Auftritt. Wenn sich am Sonnabend um 11 Uhr die Türen der Botschaften Mittelamerikas öffnen, stehen die Salsagruppen samt Musikern bereit. Im Rahmen des diesjährigen „All Nations Festivals“ präsentieren sich die Landesvertreter von sechs lateinamerikanischen Staaten gemeinsam in der Joachim-Karnatz-Allee in Moabit: Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Panama haben hier ihre Botschaften, Honduras und Costa Rica kommen zum Feiern dazu. Und feiern heißt zwangsläufig auch tanzen: „Bei uns wird es schwer fallen, die Beine still zu halten“, verspricht Erich Richter de León, Botschafter von Guatemala.

Die Landesvertretungen Mittelamerikas gehörten traditionell zu den bestbesuchten beim All Nations Festival, sagt Angelika Hirschmann von der Berliner Gesellschaft für internationale Begegnung. Zum mittlerweile fünften Mal organisiert sie den Tag der offenen Türen der Botschaften. 33 Vertretungen aus fünf Kontinenten sind dieses Mal dabei. Jede Botschaft stellt von 11 bis 18 Uhr ein Programm auf die Beine, um den Berlinern die eigene Kultur näher zu bringen.

„Lauter kleine Perlen“ gebe es da zu entdecken, sagt Angelika Hirschmann. So zeigt die thailändische Botschaft Kickboxen und Massage-Techniken, Indien präsentiert Bollywood-Filme und Yoga-Vorführungen. Ägypten und Indonesien bauen einen Basar auf, die Philippinen planen Dichterlesungen und Volkstänze. Zypern veranstaltet ein Quiz und lockt mit süßem Wein.

Als Mitveranstalterin kommt Angelika Hirschmann selbst leider kaum dazu, sich während des Festivals einzelne Botschaften anzuschauen. Bei den Mittelamerikanern habe sie aber auch schon getanzt: „Deren Bewegungsdrang ist ansteckend.“ Neben der Live-Musik stellen die sechs Botschaften auch Kunstwerke von einheimischen Malern und Bildhauern aus, Besucher können traditionell gewebte Kleidungsstücke kaufen. Auf dem eigens eingerichteten „Plaza“ vor dem Botschaftsgebäude gibt es Spezialitäten wie das Reisgericht Gallo Pinto aus Nicaragua oder gefüllte Maisfladen aus El Salvador.

Vor allem aber soll es strahlende Gesichter geben. Guatemalas Botschafter Erich Richter de León ist sich sicher: „Wenn wir Lebensfreude exportieren könnten, wären wir eine verdammt reiche Nation.“ Mit der Teilnahme seines Landes am All Nations Festival tut sich der Botschafter auch selbst einen Gefallen. Er ist erst seit Februar in Berlin, vermisst Guatemala noch ein bisschen. „Wie ein Schwabe seine Spätzle“ brauche er etwa seine Maisplätzchen mit schwarzen Bohnen und seine Musik. Am Sonnabend werde er sich seiner Heimat ein bisschen näher fühlen, hofft Richter de León.

Ähnlich geht es Olga Saade de Horn von der Botschaft El Salvadors. Sie hat Familie und Freunde im kleinsten Land Mittelamerikas, einmal im Jahr fliegt sie „zurück nach Hause“. Umso mehr freut sie sich, wenn am Wochenende ein bisschen Heimat in Berlin einkehrt. Deswegen könne sie auch versichern, dass die Botschaften am Tag der offenen Tür „keine künstliche Show“ für die Berliner Besucher böten, sondern sich ganz authentisch geben würden: „Sonst hätten wir ja selbst keinen Spaß.“

El Salvador war bisher bei jedem All Nations Festival dabei, Olga Saade de Horn macht immer Fotos und schickt sie ihren Verwandten – „die sind dann beruhigt, wenn sie sehen, dass es mir in Deutschland gut geht.“

Dass die sechs mittelamerikanischen Staaten gemeinsam feiern, ist kein Zufall. „Wir halten auch sonst zusammen in dieser großen Stadt“, sagt Guatemalas Botschafter. Das liege an der historischen und kulturellen Verbundenheit der Länder. Abgesehen von Panama begehen alle Staaten den gleichen Nationalfeiertag - an jedem 15. September wird die Loslösung von den spanischen Kolonialherren im Jahr 1821 gefeiert. Dann hört der normale Botschaftsbetrieb auf – und der Salsa regiert.

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