Berlin : Weltrekord: Plattfuß am Ziel

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Seine letzte Tagesetappe war dann doch arg lang geraten, obwohl er sich möglichst im Windschatten seines Begleitfahrzeuges hielt: 680 Kilometer fuhr Thomas Großerichter mit dem Fahrrad, um kurz vor der Silvesterparty am Brandenburger Tor anzukommen. Dort war er am 17. September gestartet, um die Welt zu umradeln – so schnell wie noch niemand vor ihm. Wenn man am ersten Tag 343 Kilometer bis kurz vor Breslau fährt, ist man am dritten in der Ukraine und steigt am sechsten in Moldawien ins Flugzeug, um nach Thailand… – Moment, Flugzeug? Ja, sagt Großerichter. Die Guinness-Buch-Redaktion verlange lediglich 18 000 geradelte Meilen (29 000 Kilometer) und 40 000 Kilometer Gesamtstrecke. Da fliegt man halt, bevor der Nahe Osten den Rekord in weite Ferne rückt oder einen der Winter in der kasachischen Steppe zurückwirft.

Von Thailand ging es über Australien, Nord- und Südamerika zurück nach Portugal und durch Großerichters münsterländische Heimat nach Berlin, wo der 27-Jährige das Jahr 2011 als Fahrradkurier verbracht hat. Jetzt sitzt er ungläubig vor dem Globus und zieht Bilanz: vier ausgeleierte Ketten, zwölf verschlissene Mäntel, rund 50 Plattfüße – und das tolle Gefühl, die Tour in 105 Tagen geschafft zu haben. Der bisherige Rekord stand bei 127 Tagen.

Mit lebensverändernden Begegnungen mit Eingeborenen, von denen andere Globetrotter berichten, kann Großerichter nach seinem Gewaltritt naturgemäß kaum dienen. Aber die grandiose Natur von Australien und Neuseeland habe er ebenso wahrgenommen wie den nur eingeschränkt fahrradtauglichen Belag ukrainischer Straßen. Der fiel umso mehr auf, als Großerichter mit einem Rennrad gefahren ist. Ein Pferdewechsel unterwegs wäre gegen die Guinness-Regeln gewesen, sagt er. Und hofft, dass er auch sonst alles richtig gemacht hat, um sich den Eintrag ins Buch zu sichern. Stefan Jacobs

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