WENDEKalender : 2. Januar 1989

Anlächeln über die Mauer hinweg – wie die SPD ihren Wahlkampf plante

Große Ereignisse erwartete kaum jemand von diesem neuen Jahr. Die Mauer gehörte vor zwanzig Jahren in Berlin zum Alltagsleben, für die Politik ebenso wie für die meisten Berliner in beiden Stadthälften. Wenig deutete Anfang 1989 darauf hin, dass es der Deutschen Schicksalsjahr werden würde. Noch waren es zumeist nur kleine Meldungen, bei denen man aufmerkte, die nahezu seismografisch andeuteten, dass sich etwas veränderte und bewegte in der DDR. Der Tagesspiegel wird 2009 täglich in dieser Rubrik nachzeichnen, wie sich der Mauerfall vorbereitete, welche Themen die Menschen auf beiden Seiten des Todesstreifens bewegten – bis aus diesen vielen kleinen Meldungen plötzlich Weltgeschichte wurde. Die Redaktion.

Die SPD geht mit einem „Mauerplakat“ in die heiße Phase des Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus. Es zeigt ein Mädchen und einen Jungen, die sich über die Mauer hinweg anlächeln. Darunter „Berlin ist Freiheit“. Am 29. Januar wird gewählt. Der Spitzenkandidat Walter Momper wird nicht plakatiert. Es gehe vielmehr um „Gegensätze und Utopien“ und das Motto: „Berlin ist Freiheit“, sagt Wahlkampfmanager Wolfgang Nagel. „Wir versuchen mal was anderes.“ Viel Euphorie verbreitet er ansonsten nicht. Der Wahlkampf sei im Großen und Ganzen schon „gelaufen“. Nach dem schwachen Ergebnis von 1985 – 32, 4 Prozent – müsse es darum gehen, „langfristig“ das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Die SPD sollte sich darauf einstellen, dass sie sich noch lange Zeit an die Macht heranarbeiten müsse. Das Wahlkampfbudget: 2,2 Millionen Mark. loy

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