Wendekalender : Aus der Spree gefischt

Am 14. Februar 1989 zerren DDR-Grenzer einen schon am Westberliner Ufer angekommenen Flüchtling aus dem kalten Spreewasser und verhaften ihn. Am 22. Juni demonstrieren Ost-Berliner gegen die chinesische Führung.

Der von DDR-Grenzern verschleppte Flüchtling Martin Notev ist wieder frei. Auf internationalen Druck hin wurde er am Bahnhof Friedrichstraße in den Westen entlassen. Am 14. Februar 1989 war Notev durch die kalte Spree geschwommen, hatte schon die westliche Kaimauer erreicht, wurde dort aber von DDR-Grenzern in ihr Patrouillenboot gezerrt und verhaftet. Nach westlicher Lesart hatte Notev allerdings schon das britische Mandatsgebiet am Reichstag erreicht. Deshalb fielen die Proteste in seinem Fall besonders scharf aus. Ein DDR-Gericht verurteilte den Flüchtling zu vier Jahren Haft, die er im Gefängnis Cottbus angetreten hatte.

Friedens- und Menschenrechtsgruppen haben in Ost-Berlin gegen das „unmenschliche Vorgehen“ des Militärs in China, die Todesstrafen für Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz und die billigende Haltung durch die Führung der DDR protestiert. Letztere offenbare ein „ungeheuerliches Maß an bewusster Ignoranz gegenüber der Unmenschlichkeit des Vorgehens der Machthaber in China“. Die Missachtung der Menschenrechte könne nicht als innere Angelegenheit eines Staates betrachtet werden. Der Versuch, ein Protestschreiben an der chinesischen Botschaft zu übergeben, wird von DDR-Sicherheitskräften unterbunden. (loy)

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