Berlin : Wenig gespart

Hauptbahnhof: Kurzes Dach kostete 64 Millionen Die lange Version hätte 74 Millionen Euro erfordert

Klaus Kurpjuweit

Langsam lüftet die Bahn das von ihr lang gehütete Geheimnis um die Kosten für das verkürzte Dach am Hauptbahnhof. Demnach hat die Kurzversion rund 64 Millionen Euro gekostet. Der Bau des langen Daches mit einer Länge von 430 Metern war dagegen zunächst mit Kosten in Höhe von fast 37 Millionen Euro veranschlagt. In der Planungsphase erhöhte sich diese Summe dann nach Informationen des Tagesspiegels auf etwa 74 Millionen Euro.

Damit war die kurze Version, die vor allem Fahrgäste der 1. Klasse im Freien stehen lässt, am Ende „nur“ etwa 10 Millionen Euro billiger, als das lange Dach voraussichtlich gekostet hätte. Angaben, das kurze Dach sei doppelt so teuer gewesen wie die lange Version, seien falsch, heißt es bei der Bahn. Hier werde der ursprüngliche Kostenansatz des langen Daches mit den tatsächlichen Kosten für die kurze Version verglichen; die inzwischen aufgetretenen Kostensteigerungen aber nicht berücksichtigt.

Bahnchef Hartmut Mehdorn wollte keine 74 Millionen Euro für das Dach ausgeben. Mit einer Verkürzung auf 321 Meter wollte die Bahn billiger bauen. Dass die kurze Version am Ende doch 64 Millionen Euro gekostet hat, überraschte dann auch die Planer. Viel gespart hat die Bahn nämlich nicht, weil alle Teile für das lange Dach bereits produziert waren, als der Beschluss fiel, es zu verkürzen.

Und die Herstellung war sehr aufwändig – und damit teuer. Weil der Bahnhof in einer Kurve liegt, mussten die Träger und Scheiben jeweils dem Radius angepasst werden; kein Teil gleicht dem anderen. Heute liegen die nicht verbauten Elemente in einem Viadukt am Ostbahnhof. Aber auch die Statik des Daches musste neu berechnet werden. Deshalb ruhten die Arbeiten am Dach mehrere Wochen, was die Kosten ebenfalls in die Höhe trieb.

Mehdorn wollte aber nicht nur Kosten, sondern auch Zeit sparen. Da sich die Fertigstellung des Bahnhofs bereits um mehrere Jahre verzögert hatte, legte er sich fest: Der Hauptbahnhof sollte vor der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr fertig sein. Mit dem langen Dach hätte sich die Eröffnung jedoch auf das Jahr 2008 verzögert, hatten die Planer damals nach Tagesspiegel-Informationen argumentiert. Dies hätte zu wirtschaftlichen Mehrkosten in Höhe von etwa 200 Millionen Euro geführt.

Ob sich die Bauzeit tatsächlich so verlängert hätte, ist jedoch umstritten. Das kurze Dach wurde in einer Rekordzeit gebaut. Doch die Arbeit mit großem Aufwand, die auch an Feiertagen weiterging, verursachte wiederum Kosten in Millionenhöhe. Am 17. Januar soll die Bahn die Kostenentwicklung vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages erklären.

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