Berlin : Wenig Licht, aber Pflicht

Dynamos sind vorgeschrieben, obwohl sie unzuverlässig sind

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Er flackert bei Regen, an der Ampel fällt er ganz aus. Der herkömmliche Fahrraddynamo ist unzuverlässig, und dennoch ist er Pflicht. Paragraph 67 der Straßenverkehrszulassungsordnung erlaubt Batterielampen nur bei Rennrädern unter elf Kilo. Warum das so ist, können selbst Polizisten nicht erklären. Radler aus der Polizeipressestelle gestehen, dass sie lieber der Batterielampe als dem Dynamo vertrauen. Das Verkehrsministerium besteht jedoch auf dem „geltenden Recht“. Eine Batterie könne sich entladen, argumentiert eine Sprecherin. „Und dann ist ein ausreichendes Licht nicht mehr gewährleistet.“

Beim Allgemeinen Deutschen FahrradClub (ADFC) erntet das Ministerium mit einer solchen Argumentation nur Kopfschütteln. „Das ist absolut nicht auf dem Stand der Technik“, sagt der Berliner Landesvorsitzende Benno Koch. Batterielampen spendeten inzwischen viel helleres Licht als ein Dynamo. Zuverlässiger seien sie ohnehin. Fahrradbeleuchtung – „ein Riesenversäumnis des Gesetzgebers“, sagt Koch. Der Landesvorsitzende bezweifelt allerdings, dass bessere Lampen die Sicherheit der Radler deutlich erhöhen. Hauptrisiko seien Lkw-Fahrer, die den Radler im toten Winkel übersehen. Nur 1,5 Prozent aller Berliner Fahrradunfälle im vergangenen Jahr waren durch technische Mängel wie schlechte oder fehlende Lampen verschuldet.

Weil jedoch auch diese insgesamt 89 Unfälle zu viele sind, startete der ADFC vor zwei Jahren eine Initiative, nach der Fahrräder nur noch mit Beleuchtung verkauft werden dürfen. „Die Hälfte aller Räder wird nämlich ohne Lampen verkauft“, kritisiert Koch. Im Bund-Länder-Ausschuss scheiterte der Antrag jedoch. Weil auch Räder für Werksgelände verkauft werden, wo die Straßenverkehrsordnung nicht gilt, könnten die Lampen nicht vorgeschrieben werden, hieß es. frh

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