Berlin : Wenig Schutz am Schalter

Immer wieder überreden Gauner alte Leute, ihr ganzes Geld abzuheben – und kein Bankmitarbeiter fragt nach. Die Kripo warnt vor dem „Enkel-Trick“

Tanja Buntrock

Eine alte Frau wurde um zigtausende von Euro gebracht. „Nicht immer sind Bankmitarbeiter so aufmerksam, dass ihnen bestimmte Vorgänge verdächtig vorkommen“, sagt Kriminalhauptkommissar Matthias Martin von der Sonder-Ermittlungsgruppe „Enkel“. Im Fall der Rentnerin, der Trickbetrüger – wie berichtet – 190000 Euro abgeluchst hatten, ist am Schalter niemand misstrauisch geworden. „In manchen Instituten wird nachgefragt, in anderen nicht. Das ist unsere Erfahrung“, sagt Martin.

Die Steglitzer Rentnerin war auf ein Trio hereingefallen, das angegeben hatte, für den Berliner Senat zu arbeiten. Mittlerweile sind die drei Tatverdächtigen – ein Mann, seine Ehefrau und die gemeinsame Tochter – von der Polizei festgenommen worden. Sie hatten die 85-Jährige überredet, an drei Tagen einmal 50 000 Euro, einmal 40 000 Euro und einmal 100 000 Euro abzuheben und ihnen auszuhändigen. „Die Tatverdächtigen schweigen dazu. Wo das Geld ist und wie genau sie die Frau überredet haben, ist auch noch unklar“, sagt Kripo-Mann Martin.

Fest steht aber, dass die Geldbeträge bei Postbank-Filialen am Halleschen Ufer in Kreuzberg sowie an der Glasower Straße in Neukölln abgehoben wurden. Als Begründung hätten die Mitarbeiter der Polizei angegeben, dass „in letzter Zeit viele Kunden hohe Geldbeträge abgehoben haben, weil sie Angst vor den HartzIV-Reformen hätten“, sagt Martin. Allerdings macht diese Begründung bei einer 85-jährigen Kundin keinen Sinn. Nach Kripo-Angaben habe eine der Mitarbeiterinnen geglaubt, die Dame sei in Begleitung von Verwandten gewesen, und hatte sich nicht getraut nachzufragen. Eine Postbank-Sprecherin sagte dazu: „Wenn ein Kunde zu uns kommt und alle Unterlagen dabei hat, dann haben wir nicht das Recht zu fragen, warum er das viele Geld abholt.“

Die Ermittlungsgruppe „Enkel“ verdankt ihren Namen dem so genannten „Enkel-Trick“, mit dem Anfang des Jahres eine Gruppe von Sinti und Roma mehrere hunderttausend Euro ergaunert hatte. Über eine spezielle Telefon-CD haben die Täter die Nummern von älteren Menschen in Berlin erhalten. „Einer aus der Gruppe hat dann dort angerufen, die ältere Person in ein Gespräch verwickelt und dabei herausgehört, ob es Verwandte gibt.“ Irgendwann habe der Täter dann so getan, als sei er der Enkel oder ein sonstiger Verwandter. „Dann sagt der vermeintliche Enkel, dass er dringend Geld braucht, weil er in einer Notlage ist“, sagt Martin. Daraufhin wird ein angeblicher Freund zum Geldabholen in die Wohnung des Opfers geschickt. Mehr als 500 000 Euro soll die Gruppe, die in Posen in Polen ansässig ist, auf diese Art erbeutet haben. Zwar seien die Tatverdächtigen ermittelt, aber für eine Festnahme reichte es bislang nicht. Justizsprecher Michael Grunwald sagt: „Die Beweislage ist nicht eindeutig. Es kann nicht konkret zugeordnet werden, wer was wann getan hat.“

Ähnlich sieht es beim so genannten „Banken-Trick“ aus. Hier hatten die Täter sich als Bankangestellte ausgegeben und ihren Opfern mitgeteilt, dass die Bank-Computer abgestürzt seien. Die Kunden müssten ihr Geld abheben. Die Täter haben die alten Leute sogar abgeholt und zur Bank gebracht, um dann das Geld an sich zu nehmen. Auch hier hat die Kripo vier Tatverdächtige ermittelt. Doch auch hier scheint die Beweislage für die Justiz nicht ganz eindeutig.

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