Berlin : Weniger Autos – aber mehr als erlaubt

In der Rosenthaler Straße endet die testweise Sperrung / Vor allem Oberklassewagen ignorierten Verbot

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Das Durchfahrverbot der Rosenthaler Straße am Hackeschen Markt, das nach zwei Monaten Dauer am Montag endet, hat nach ersten Erkenntnissen die Verkehrsbelastung um zwei Drittel reduziert. Trotzdem waren in dem nur für Anwohner, Taxis, den Lieferverkehr und den Linienverkehr freigegebenen Abschnitt durchschnittlich in der Stunde 150 bis 200 Autos unterwegs. Auffallend war eine Spitzenbelastung im Berufsverkehr und in den Abendstunden zu den „Kneipenzeiten“. Der Versuch sollte zeigen, obf es möglich ist, eine Hauptstraße zu sperren, ohne dass in der Umgebung der Verkehr erheblich zunimmt und ob aus der Rosenthaler Straße der Durchgangsverkehr herausgenommen werden kann.

Zugenommen haben die Beschwerden über Autolärm aber in den Straßen der Umgebung. Ob dies mit der Sperrung zusammenhänge, müsse noch untersucht werden. An der Sophienstraße zum Beispiel versuchten auch viele Autofahrer, illegal zu parken, so Genow. Auf einer Bürgerversammlung (siehe Kasten) wollen die Verkehrsforscher auch die Meinung der betroffenen Anwohner hören. Bei ersten Befragungen waren 40 Prozent für die Sperrung, 34 Prozent dagegen.

Für das Durchfahrverbot waren nur Schilder und Baken aufgestellt worden. Prinzipiell war das Passieren des gesperrten Abschnitts für alle möglich. Vor allem Fahrzeuge der Mittel- und Spitzenklasse hatten sich nicht daran gehalten, haben die Forscher erkannt. Die Polizei hat 266 Anzeigen erstattet und 86 Mal an Ort und Stelle kassiert. Wissenschaftlich ausgewertet wird der Versuch etwa Mitte Oktober sein.

Am Montag endet mit dem Durchfahrverbot für Lastwagen an der Beusselstraße in Tiergarten ein weiteres Experiment zur Verkehrsberuhigung und Lärmminderung. Ob dort das Verbot eingehalten worden ist, wird unterschiedlich bewertet. Aufschluss geben erst die Messungen, die in drei bis vier Wochen ausgewertet sein sollen. Für die Lastwagen waren Umleitungsrouten ausgeschildert worden, die die dortigen Anwohner weniger belasten sollten, als durch die Entlastung an der Beusselstraße erwartet worden war.

Ob auch die nächste Stufe des von der EU geförderten Versuchs mit einer besonderen Ampelschaltung, die auf die Verkehrsbelastung reagiert, umgesetzt wird, ist ungewiss. Sie war von Mitte September bis Mitte Oktober vorgesehen. Durch die Haushaltssperre fehlt Berlin das Geld, um seinen Anteil an dem Experiment aufbringen zu können. An dem Heaven-Projekt nehmen sechs europäische Städte teil, die jeweils verschiedene Maßnahmen testen. Neben dem Lastwagen-Verbot gab es in Berlin vorher eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 an der Beusselstraße. Klaus Kurpjuweit

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