Berlin : Weniger Busse, mehr Werbung

Die finanzschwache BVG gibt weitere Millionen aus, um den Fahrgästen ihr neues „Metrokonzept“ nahe zu bringen

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Die chronisch klamme BVG erhöht den Kommunikationsetat für ihr Konzept „BVG 2005 plus“ um fast drei Millionen Euro auf dann rund fünf Millionen Euro. Mit dem zusätzlichen Geld will sie unter anderem den Kundendialog erweitern. Zudem will sie verstärkt versuchen, „starke Fürsprecher“ für das Konzept zu gewinnen. Diese seien für das Gelingen des Programms „zwingend erforderlich“, heißt es in der EtatBegründung.

Und die BVG muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten, denn in den kommenden Tagen wird es wahrscheinlich vor allem Kritik geben, weil der Verkehrsbetrieb jetzt konkret sagen muss, wo er sparen will. Die ersten bekannt gewordenen Einschränkungen haben schon zu heftigen Protesten geführt – wie etwa bei der geplanten Einstellung der Linie 341 (Turmstraße – Flughafen Tempelhof).

Bisher hat sich die BVG bei ihren Informationen vor allem auf die Vorteile des neuen Konzepts konzentriert, in dessen Mittelpunkt die neuen Metrolinien bei Bussen und Straßenbahnen stehen. Sie sollen fast rund um die Uhr und tagsüber mindestens alle zehn Minuten möglichst geradlinig auf wichtigen Verkehrsachsen fahren und so das Schnellbahnnetz komplettieren und auch die Außenbezirke bedienen. Gegen dieses Konzept hatte kaum jemand etwas Grundsätzliches einzuwenden.

Die BVG will mit ihrem Gesamtkonzept aber nicht nur neue Fahrgäste gewinnen, sondern vor allem auch Kosten sparen. Und das heißt, dass vor allem in den Außenbezirken Linien verkürzt oder gar gestrichen werden. Zudem sollen dort Busse und auch Straßenbahnen oft seltener fahren. So dachten die Planer unter anderem daran, die Linie 116, die bisher alle 20 Minuten vom Bahnhof Wannsee über die Glienicker Brücke nach Potsdam fährt, nur noch stündlich verkehren zu lassen. Jetzt ist ein 40-Minuten-Abstand im Gespräch.

Doch auch dort, wo die Einschränkungen weniger gravierend sind, müssen vor allem in den Außenbezirken viele Fahrgäste nach dem neuen Konzept nicht nur länger auf den Bus oder die Straßenbahn warten, sondern längere Wege zu den Haltestellen gehen und auf ihrer Fahrt öfter umsteigen. „Wenn dann nur alle 20 Minuten ein Bus kommt, kann die Fahrt insgesamt sehr lange dauern“, warnt Matthias Horth vom Fahrgastverband IGEB. Experten bemängeln, dass die BVG rund 60 Prozent der Metrolinien innerhalb oder entlang des S-Bahn-Rings fahren lassen will. Dort nähmen die Busse dann der S- und auch der U-Bahn Fahrgäste weg, befürchten Fachleute. Eine Kritik, die die BVG und der Fahrgastverband zurückweisen.

Dass mit dem Konzept der Metrolinien neue Fahrgäste gewonnen werden können, hat Hamburg gezeigt. Dort stieg innerhalb von zwei Jahren die Zahl der Nutzer um sechs Prozent; erwartet habe man eine Zunahme um drei bis fünf Prozent, sagte Gisela Becker vom Hamburger Verkehrsverbund. An der Elbe hatte man für die Metrolinien aber auch rund 4 Millionen Euro zusätzlich ausgegeben, in Berlin will die BVG dagegen vor allem sparen. Nur jetzt nicht bei der Kommunikation.

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