Berlin : Weniger Honorar seit Jahresanfang - Kasse nennt Aufruf rechtswidrig

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AOK-Versicherte müssen damit rechnen, bei kleineren Operationen ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, obwohl der Eingriff auch ambulant in einer Arztpraxis möglich wäre. Rund 190 im Landesverband Ambulantes Operieren zusammengeschlossene Ärzte haben sich auf einen "Boykott" der AOK verständigt, weil die Kasse seit Jahresanfang je ambulanter Operation fast 50 Prozent weniger zahle als zuvor. Betroffen sind rund 750 000 Versicherte der größten Einzelkasse der Stadt.

Da die Kosten für Klinik-Operationen wesentlich teurer seien als ambulante Eingriffe, sei das Vorgehen der AOK "völlig unverständlich", betont der Sprecher des Ärzteverbands, Ansgar Pett. Wegen ihrer aktuellen Finanzmisere sei die Kasse "offenbar handlungsunfähig". Als Beispiele nennt der Kreuzberger Gynäkologe Pett eine Sterilisation, die in der Klinik rund 3400 Mark, in der Praxis hingegen nur knapp 1400 Mark koste. Bei der Operation eines Blasentumors berechne der ambulante Doktor zwischen 750 und 950 Mark, im Krankenhaus liege der Preis bei 6800 Mark. Für eine aufwendige Nasen-OP bekomme der niedergelassene Arzt rund 1300 Mark, die Klinik knapp 7000 Mark.

AOK-Sprecherin Kirsten Ulmer hält den angedrohten Boykott für rechtswidrig. Versicherte hätten einen gesetzlichen Anspruch auf ambulante Operationen. Wer den Verdacht habe, aus "berufspolitischen Gründen" ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, sollte sich an die Kasse wenden.

Die Ärzte halten der AOK vor, anders als andere Krankenkassen die Laufzeit eines Vertrags mit erhöhten Honoraren für "Krankenhaus ersetzende Leistungen" nicht verlängern zu wollen. In dem Vertrag, für den Ärzte vor zwei Jahren mit einem "Streik" kämpften, sind rund 40 Operationsarten festgelegt. Den Sondervertrag haben in ähnlicher Form auch Ersatz- und Betriebskassen mit der Kassenärztlichen Vereinigung abschlossen.

Die Nichtverlängerung des Vertrags begründete AOK-Sprecherin Ulmer mit "fehlenden Daten der Ärzte", die der Kasse zur Auswertung geliefert werden sollten. Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung seien somit selbst schuld, dass die Honoar-Sonderregelung nicht weitergeführt wird.

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