Berlin : Weniger Klinikbetten - keine Einsparungen

CS

Weniger Klinikbetten - aber keine Einsparungen: Die jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes haben die Hoffnungen des Senats auf einen durchschlagenden Erfolg seiner Krankenhaus-Politik vorerst enttäuscht.

Berlins Gesundheitspolitiker wollen die im bundesweiten Vergleich viel zu hohen Krankenhauskosten durch einen massiven Bettenabbau, effizientere Arbeitsabläufe und eine engere Zusammenarbeit von Kliniken und Arztpraxen verringern, doch gestern meldete das Amt, die Gesamtausgaben seien trotz aller Anstrengungen von 1999 bis 2000 nur konstant geblieben. Die Zahl der Klinikbetten sank zwar um 3,7 Prozent auf 23 287, doch die Gesamtkosten blieben bei 56 Milliarden Mark. Und dies, obwohl sich auch die durchschnittlich für einen Klinikpatienten aufgebrachten Gelder von 9500 Mark auf 8555 Mark verringerten.

Hat ein Krankenhaus weniger Betten, prüfen dessen Ärzte kritischer, ob sie einen Patienten stationär aufnehmen müssen. In der Folge werden mehr Kranke ambulant in Praxen behandelt, was eine Menge Geld spart - diese Überzeugung steht hinter dem Ziel, die Anzahl der Klinikbetten pro 1000 Einwohner auf ein Maß zu reduzieren, das dem Stand anderer deutscher Städte entspricht.

Einem solchen Bettendurchschnitt ist Berlin inzwischen nahe gekommen. Entsprechend werden heute mehr Patienten ambulant versorgt, die man ansonsten stationär aufgenommen hätte. Aber die Kosten blieben dennoch gleich. Ist die Rechnung des Senates nicht aufgegangen?

"Die Zahlen konnten nicht besser sein", sagt der Grünen-Gesundheitsexperte, Bernd Köppl, "weil es in Berlin immer mehr ältere Menschen mit Krankheiten gibt, die in einer Klinik behandelt werden müssen." Deshalb hat die Zahl der stationären Aufnahmen trotz des Bettenabbaues keineswegs, wie erhofft, abgenommen. Im Gegenteil: Es drängen immer mehr Kranke in die Kliniken. Der Wandel in der Bevölkerungsstruktur wirkt somit den Sparmaßnahmen entgegen. Nach Einschätzung von Köppl war der Bettenabbau dennoch sinnvoll. "Andernfalls wären die Gesamtkosten weiter emporgeschnellt."

Doch nicht nur die geringere Bettenzahl spart Ausgaben. Darüber hinaus sanken in der Vergangenheit auch die durchschnittlichen Behandlungskosten pro Klinikpatient, weil man die Liegezeiten verkürzen konnte. So schrumpfte die Verweildauer in Berlins Kliniken seit 1999 um einen halben Tag auf 10,5 Tage. Das ist angesichts steigender Patientenzahlen auch eine Voraussetzung für den Bettenabbau. Andernfalls wäre dieses Vorhaben längst an seine Grenzen gestoßen.

Erreicht wurden die kürzeren Liegezeiten durch eine engere Zusammenarbeit von Kliniken und Praxen, denn niedergelassene Mediziner erledigen heute vieles, was einst Sache des Krankenhauses war - beispielsweise Voruntersuchungen zur stationären Aufnahme und die Nachsorge.

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