Berlin : Weniger Lotto-Geld – nun trifft es die Jugend

1,46 Millionen Euro fehlen für die Förderung von Projekten. Auch der Mädchensportclub „Pia Olymp“ in Lichtenberg ist gefährdet

Constance Frey

Vor dem Mädchensportclub „Pia Olymp“ hängt von der Betonwand ein weißes Laken herunter. „Wir sind nicht mehr wichtig! Oder?“ steht darauf. Trotzig klingt das und kämpferisch: offener Protest gegen die geplanten Kürzungen der Senatsverwaltung bei Jugendprojekten. Weil die Lottomittel, die der Finanzierung von Jugendprojekten freier Träger dienen, dieses Jahr geringer ausfallen als geplant, fehlen für das kommende Jahr 1,46 Millionen Euro Fördermittel. Davon ist auch Pia Olymp betroffen. Heute soll der Hauptausschuss über die Kürzungen im Jugendbereich entscheiden. Sollten die Parlamentarier den Vorschlag verabschieden, würden „Kietz für Kids Freizeitsport e.V.“, dem Träger von Pia Olymp, 163000 Euro im Jahresbudget 2005 fehlen.

„Die rauben uns die Freizeit“, sagt die 15-jährige Lotte Eggers. Sie ist jeden Tag ab 15 Uhr im Club, macht hier Hausaufgaben, turnt, tanzt oder spricht sich einfach aus. Die Mädchen und jungen Frauen, denen das Clubhaus vorbehalten ist, werden hier auch bei familiären und schulischen Problemen betreut. Mit anderen Mädchen war Lotte im Abgeordnetenhaus und bei Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich (PDS). Auch Protestbriefe hat sie geschrieben. Neben ihr steht Doreen Piehler, 23 Jahre alt. Wenn es ihre Ausbildung zur Kommissarin erlaubt, kommt sie vorbei, rein privat. Früher kam sie täglich. „Hier schaut jeder ein bisschen nach den anderen“, sagt die junge Frau. Als sie vor einigen Jahren durchs Abitur fiel, rief Doreen Piehler nicht zu Hause an, sondern bei Pia Olymp: „Könnt ihr mich abholen?“

Die Senatsverwaltung begründet die Kürzung bei Pia Olymp durch andere Sportangebote im Bezirk. „Es gibt eine ganze Reihe von Angeboten der Sportjugend in der Region“, sagt Jugendstaatssekretär Thomas Härtel. „Mädchensportangebote in Vereinen können nicht mit der Arbeit von Pia Olymp verglichen werden“, widerspricht Bezirksjugendstadtrat Michael Räßler. Es sei wichtig, Mädchen ihre eigenen Räume zu stellen. Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich ärgert sich, dass sie erst im Oktober von der Kürzung informiert wurde. Antragsschluss für Fördermittel im Jahr 2005 sei am 30. Juni gewesen. Thomas Härtel verweist ans Abgeordnetenhaus. „Das Parlament hat uns die Lücke wohlwissend überlassen. Bei der Aufstellung des Haushalts wussten wir davon noch nichts.“

Kietz für Kids Freizeitsport e.V., der auch das Mädchenprojekt „Mädchen mobil“ in Marzahn betreibt, bemüht sich jetzt um Investoren, der Jugendhilfeausschuss des Bezirks Lichtenberg hat 50000 Euro in Aussicht gestellt. Doch der Club wird am Wochenende nicht mehr öffnen können, eine Stelle muss gestrichen werden.

Neben Pia Olymp sind zehn weitere Projekte von den Kürzungsplänen betroffen. „Grundsätzlich finde ich es nicht falsch, darüber nachzudenken, welche Jugendprojekte wir in Zukunft brauchen“, sagt Ramona Pop, jugendpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus. „Aber die Kriterien sind nicht nachvollziehbar. Es trifft oft die kleineren Träger, die keine Lobby haben.“

Pia Olymp, Am Berl 25, Lichtenberg, Infos www.pro-maedchensport.de

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