Berlin : Weniger Musik und Erdkunde wegen Ethik und Abi-Reform

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Berlins Musik- und Erdkundelehrer bangen um ihre Fächer: Ab nächstem Schuljahr müssen sie einen Teil ihrer Unterrichtsstunden hergeben. Grund ist die Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre und die Einführung von Ethik: Beides erhöht die Unterrichtsverpflichtung in den Klassen 7 bis 10 derart, dass die Stundentafel irgendwo abgespeckt werden muss. Andernfalls hätten etwa die Neuntklässler statt 34 sogar 36 Wochenstunden.

Infolge von Pisa und angesichts des Mittleren Schulabschlusses soll nicht bei Deutsch, Englisch oder Mathematik gekürzt werden. Es müssen also die so genannten „weichen“ Fächer bluten. Die Senatsverwaltung für Bildung hat das Stundensoll im musischen und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich reduziert. Momentan zeichnet sich in den Schulen ab, dass es vor allem Musik und Erdkunde an den Kragen geht: Sie werden in einigen Jahrgangsstufen nur noch eine Stunde pro Woche oder gar nicht mehr unterrichtet, womit sich nach Ansicht der Lehrer kaum noch Inhalte vermitteln lassen. Zwar könnten Schulen selbst entscheiden, ob sie andere Fächer reduzieren. Dagegen sprechen aber die Mehrheitsverhältnisse in vielen Kollegien.

Die Erdkundelehrer haben resigniert: Sie belassen es bei einigen Protestbriefen. Einzelne Pädagogen wie die Neuköllner Referendarausbilderin Ulrike Ernst machen ihrem Unmut aber Luft und warnen davor, „in dieser globalen Welt erdkundliches Wissen zu vernachlässigen“.

Organisiert haben sich die Musiklehrer: Unter dem Dach des Landesmusikrates alarmierten sie die Öffentlichkeit und bekamen Solidaritätsadressen von Daniel Barenboim bis Richard von Weizsäcker. Morgen laden sie von 13 bis 15 Uhr zum Protestkonzert auf dem Gendarmenmarkt: Je mehr Schulmusiker ihre Instrumente mitbringen, desto mehr werden die Passanten zu hören bekommen. sve

Infos unter www.afs-musik-berlin.de oder unter Tel. 0178 / 860 73 76.

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