Berlin : Weniger Werbung, mehr Techno

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Es ist das Jahr eins der neuen Love Parade. Was wird sich, was muss sich ändern?

Fabian Lenz: Die Statusänderung ist für uns deutlich spürbar, vor allem, was das Denken und Handeln in der Firma angeht.

Ralf Regitz: Für den Ablauf der Veranstaltung hat sich im Grunde nichts geändert, die war ja schon im vergangenen Jahr eine Veranstaltung und keine Demonstration mehr.

Was ist das für ein Spannungsverhältnis, auf der einen Seite verlässlicher Vertragspartner für den Sponsor zu sein, gleichzeitig aber die Spitze einer Bewegung darstellen zu wollen?

Fabian Lenz: Alle, die eine Veranstaltung auf die Beine stellen wollen müssen sich ja vorher fragen: Wie mache ich das? Das muss ja alles seine Ordnung haben und deshalb ist es auch kein Widerspruch, die Love Parade als GmbH zu organisieren. In diesem Zwiespalt befinden sich viele Labels oder auch Galerien, also alle, die davon leben, dass sie sich vermarkten aber gleichzeitig auch andere Inhalte transportieren wollen. Die Vermarktungsstrukturen haben wir, um etwas auf die Beine zu stellen, was mit Marketing und Kommerz nicht unbedingt etwas zu tun hat, oder zu tun haben will. Wir machen die Love Parade nicht für die Sponsoren.

Die Love Parade gehört zu Berlin, das Image ist aber nicht das beste.

Fabian Lenz: Bei den Durchschnitts-Berlinern blieb von der Love Parade in den letzten Jahren ja kaum mehr als die Debatte um den Müll, die Schonung des Tiergartens und so weiter. Das war auch nicht in unserem Interesse, da hoffen wir, dass sich jetzt etwas ändert. Aber dennoch wollen wir die Love Parade in Berlin machen, weil sie hierher gehört und weil sie aus einer Subkultur entstanden ist, die es hier gibt.

Ralf Regitz: Das Bild der Love Parade außerhalb der Techno-Szene wurde vollständig von der Tiergarten-Debatte überlagert. Das hatte eine Eigendynamik bekommen, die wir selber nicht mehr steuern konnten.

Was muss man tun, um den innovativen Geist der Love Parade zu erhalten?

Fabian Lenz: Nach dem Fall der Mauer war die Sache einfach: Die Love Parade entstand aus einer Aufbruchs-Situation, mit neuer Musik neuartiger Darbietung und einer eigenen Clubkultur. Da brauchte es nur ein Stroboskop-Licht und eine Nebelmaschine und fertig war der Club. Das ist etwas, was viele heutzutage vermissen, wenn sie die Love Parade beobachten. Es kann aber auch nicht mehr so sein, wie damals, es ist nicht wiederholbar. Mein Ziel ist, dass es sich in Zukunft wieder mehr um die Musik dreht. Das wird dann wieder neue Impulse geben können...

...weg vom Mainstream der letzten Jahre?

Fabian Lenz: In den letzten Jahren hat es ganz klar einen Trend zum Mainstream gegeben, aber das hat nicht bedeutet, dass es nicht auch die Zwischentöne gegeben hätte.

Ralf Regitz: Wir waren nie eine Underground-Veranstaltung, sondern wollten, dass alle Technobegeisterten teilnehmen und daran Spaß haben. Wir stehen für ein Spektrum, das nicht so klar einzugrenzen ist.

Eine Kritikpunkt war, dass sich die Vielfalt der Berliner Szene nicht mehr widergespiegelt hat.

Fabian Lenz: Wir gehen auf alle möglichen Clubs zu, versuchen auch die Innovativen anzusprechen. Aber es ist nicht so, dass jeder seinen Wagen machen kann, sondern wir sind daran interessiert, dass es renommierte Clubs sind. Wir haben zum Beispiel mit dem Tresor gesprochen, dass die endlich mal wieder einen Wagen machen, die haben das Problem so wie alle anderen auch: das ist teuer, und oft genug die Schwelle, die ein kleiner Club nicht nehmen kann. Es ist ja nicht so, dass wir vorschreiben, der Wagen muss so und so groß und so und so toll sein. Es macht für die meisten Veranstalter eben einfach keinen Sinn, sich mit diesen Low-Budget-Wagen zu präsentieren. In den Anfangszeiten der Love Parade war das egal. In den letzten Jahren gab es immer wieder Sponsoren, die einen eigenen Wagen gemacht haben. Das war nicht in Ordnung. Wir müssen wieder stärker definieren, wer einen Wagen machen kann und soll. Reine Sponsoren-Wagen...

...wie die von Fanta oder Camel in früheren Jahren...

Fabian Lenz: Genau. Solche Wagen wird es nicht mehr geben.

Ralf Regitz: Die Love Parade ist eine Plattform, für die Clubs und die Träger unserer Kultur. Wir werden zusammen nach Wegen suchen, wie sich die Szene weiterentwickeln kann und müssen gemeinsam noch viel mehr tun.

Was ist das Angebot, das die Love Parade der Stadt macht?

Ralf Regitz: Es ist ja in erster Linie kein Angebot an die Stadt, sondern eine Einladung, sich zu treffen, ein Wochenende zu gestalten, ein Treffpunkt der gesamten Szene, inmitten Berlins nicht wie die anderen 364 Tage im Jahr im Verborgenen zu feiern, sondern auf der Straße.

Das Motto „Access Peace“ hört sich etwas politischer an...

Fabian Lenz: Es hätte auch „Music is the Key“ sein können (wie bereits vor einigen Jahren, d.R.), denn das sagt auch nicht nur etwas über die Musik aus. Es hätte für uns keinen Sinn gemacht, unter dem Eindruck der Kriegsgefahr,der Ereignisse in Israel, 11. September und so weiter, ein anderes Motto zu wählen. Gerade die Situation in Israel ist für uns ein wichtiges Thema, schließlich veranstalten wir in Tel Aviv eine Partner-Parade.

Gibt es eine Abschluss-Rede von DJ Dr. Motte? Wie wird sie aussehen, wer schreibt sie?

Fabian Lenz: Das sind Details, die sind noch nicht geklärt. Aber es könnte durchaus wieder eine politische Rede geben.

Wie viele Leute werden kommen?

Ralf Regitz: Schwer zu sagen. Wir werden etwa so viele Leute wie im vergangenen Jahr haben.

Fabian Lenz: Weil der Termin lange feststeht, konnten sich alle Interessenten frühzeitig festlegen. Aber es kommen auf jeden Fall alle, die letzten Jahr nicht dabei waren...

Das Gespräch führten Gerd Nowakowski und Matthias Oloew.

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