Berlin : Wenn Barbara tanzt

1500 Gäste wurden gestern Abend zu der Filmpreis-Gala am Funkturm erwartet Als Favorit ging „Kirschblüten“ von Doris Dörrie mit sechs Nominierungen ins Rennen

Andreas Conrad

Ach ja, „Lola Beach“. Weiße Kiesel unter einem Wald von Leuchtstelen, unter denen sich eine Landschaft klug arrangierter Loungemöbel vor den nach zwangloser Plauderei Dürstenden ausbreitet. Eine Terrasse unterm Sternenhimmel, Außenbereich der Großraumparty zum Deutschen Filmpreis, gestern im Palais am Funkturm und in angrenzenden Räumen – wundervoll. Doch leider, die Wolken! Würden sie sich verziehen bis zum Abend oder ihre Schleusen öffnen, der Ruin jeder Galagarderobe?

Für Barbara Schöneberger eine sekundäre Frage. Denn sie wusste ja: Wenn die Party beginnt, würde sie ihre Arbeit als Moderatorin getan haben, könnte sich dann entspannen, ob im Freien oder im Trockenen. Gegen drei Jahre Michael Bully Herbig hatte sie zu bestehen, drei Mal hatte er die Filmpreisgala moderiert und Maßstäbe gesetzt. Mancher würde da verzagen, Barbara Schöneberger aber schwärmte vor dem Abend pflichtschuldig, dass sie „mehr als geehrt“ sei, diese Aufgabe bekommen zu haben, rühmte auch ein wenig ihre Garderobe, in „knallendem Silber“ die eine, in „Flaschengrün mit Goldgehänge“ die zweite, in kompromisslosem Schwarz schließlich die dritte.

Seit dem 16. April liefen die Aufbauarbeiten in der Ehrenhalle, im Palais, auf der Terrasse und nicht zuletzt in der links des Foyers gelegenen Halle, dem Ort der Preisverleihung. Die Bühne wurde diesmal erheblich verändert, der neuen Show angepasst, um Raum zu schaffen für die Gesangs- und Tanzdarbietungen der schönen Barbara, die durch ihre aktuelle Tournee gut im Training ist. Eine „Wiedergeburt von Frank Sinatra und Harald Juhnke in weiblicher Form“, so euphorisch lobte Nico Hofmann, Filmproduzent und einer der beiden künstlerischen Leiter des Abends, seinen neuen Star. Ein 52 Meter langer roter Teppich lag bereit, ein den Spitzen des deutschen Films würdiger Untergrund, gesäumt von 44 Bannern mit Fotos der Leinwandgrößen. 1500 Gäste wurden erwartet, darunter zahlreiche Mitglieder der Deutschen Filmakademie, die die Gala zusammen mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann veranstaltet.

Ein Abend der Superlative, auch gastronomisch: 300 Kilo Pasta, 150 Kilo Schweineschulter, 270 Kilo Kaninchenkeulen und andere Leckereien in dieser Größenordnung, und schon zum Empfang 4500 Fingerfood-Spezialitäten, also etwa drei Stück für jeden Gast. Einer konnte sich da schon sicher sein, von dem Abend zu profitieren: Alexander Kluge war die Ehren-Lola zugesprochen worden. Andere mussten noch zittern und bangen, obwohl Favoritin Doris Dörrie halbwegs sicher sein konnte, dass es bei sechs Nominierungen für ihre „Kirschblüten“ auch den einen und anderen Preis geben würde. Ihr dicht auf den Fersen war Fatih Akin mit „Auf der anderen Seite“.

Auch Til Schweiger wollte zur Preisverleihung kommen, der mit „Keinohrhasen“ soeben die Sechs-Millionen-Zuschauer-Grenze überschritten hat. Im Vorfeld hatte er sich mit der Filmakademie über das Auswahlverfahren für den Filmpreis zerstritten und war erst aus-, dann wieder eingetreten. Im Anschluss an die Preisgala lud er nun zur eigenen Feier ins „Cookie’s“. Einlass ab Mitternacht.

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