Berlin : Wenn "Brazil" zur Realität wird, vergeht einem das Lachen

Gerd Nowakowski

Eine Fliege löst das Unheil aus - jedenfalls im Film "Brazil", einer bitterbösen Persiflage auf den totalen Überwachungsstaat. Die Fliege gerät in einen Fernschreiber, ein Buchstabe eines Namens wird falsch getippt - und die totale Fahndung nach einem Unschuldigen ausgelöst. Unschuldig im Netz einer absurden Verdächtigung gefangen durfte sich vor einem Jahr auch der Polizeidirektor D. wähnen. Nein, Big Brother braucht es in Berlin nicht. Hier reicht in demokratischen Verhältnissen schon der normale Wahnsinn eines auf hohen Touren leerlaufenden Verwaltungsapparats, bei dem alle Sicherungen durchgebrannt sind. Zum fatalen Ergebnis trugen jedenfalls alle beteiligten Stellen ihr Stücklein bei. Die Innenverwaltung machte Druck, und schon wurden Ergebnisse produziert, auch wenn der Verfassungsschutz davon überzeugt war, dass an dem Verdacht einer Scientology-Mitgliedschaft nichts dran sei. Wahrscheinlich wollten die beamteten Dunkelmänner nicht wie oft zuvor als Versager dastehen, die nichts rausbekommen haben. Also wurde Spezialinformant "Junior" - jugendliche 77 Jahre alt - an die verdeckte Front geworfen. Da konnte natürlich nichts mehr schiefgehen. Im Film schmerzt bei einer solchen Klamotte nur das Zwerchfell - vom Lachen. Polizeidirektor D. schmerzt mehr: nicht nur seine zerstörte Karriere.

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