Berlin : Wenn das Hobby zur Gefahr wird

Der Amokläufer von Kreuzberg hatte eine legale Waffe Pro & Contra zu schärferen Auflagen für Sportschützen

Werner Schmidt

Mit Schützenvereinen will sich in Deutschland niemand anlegen. In 40 000 bis 50 000 Vereinen sind die Sportschützen hierzulande organisiert. Aber selbst die Bündnisgrünen kommen nicht auf die Idee, deren Verbot zu fordern. Ob jedoch Sportschützen ihre Waffen mit nach Hause nehmen müssen, darüber ließe sich nachdenken, sagt Wolfgang Wieland, Sicherheitsexperte der Berliner Grünen. Durch die Schießerei in Kreuzberg am vergangenen Montag bekommt das Thema neue Brisanz. Stefan H. war als Sportschütze in einem kleinen Verein in Eisenach (Thüringen) registriert und hatte die Waffe, mit der er zwei Menschen tötete und zwei schwer verletzte, legal erworben.

Wieland meint: „Ein Vereinsverbot geht einen Schritt zu weit.“ Aber die Schützen sollten ihre Waffen in den Vereinen vor dem Training ausgehändigt bekommen und danach wieder abgeben müssen. Ähnlich wie bei der Bundeswehr, wo ein Waffenwart für die Gewehre und Pistolen verantwortlich ist. „Sobald Schusswaffen im privaten Bereich sind, wird’s gefährlich“, sagt Wieland.

Zehntausende Waffen von Sportschützen sind in Berlin registriert. Gewehre, Pistolen und Revolver. Geschossen wird in knapp 330 Vereinen. Nicht in allen wird mit scharfer Munition geballert. Es seien auch Vereine darunter, die sich nur mit Luftdruckwaffen, Armbrust- oder Bogenschießen befassen, sagte Hans-Günther Lieser. Er ist beim Polizeipräsidenten zuständig für die Ausgabe für Waffenberechtigungskarten, wie sie Sportschützen benötigen, und Waffenscheinen, die nur eine Hand voll besonders gefährdeter Personen erhält: Mitarbeiter des Sicherheitsgewerbes, Juweliere, Geldtransporteure. Diese dürfen die Waffe tragen, so lange für sie Gefahr besteht – Juweliere und Geldboten beim Transport ihrer kostbaren Fracht und Wachleute im Dienst. Sportschützen dagegen dürfen ihre Waffen auf keinen Fall offen im Hosenbund oder in einem Schulterhalfter tragen und damit zum Schießplatz fahren.

„Ich halte Sportschützen überwiegend für zuverlässig“, sagt Lieser. Auch er hält das Verbot von Schützenvereinen für nicht angemessen. Aber das Verfahren wie es in Berlin bis 1990 galt, als die Alliierten noch das Sagen in der Stadt hatten, hält auch der Chef über 15 000 Waffenbesitzkarten, in denen insgesamt rund 50 000 Schusswaffen registriert sind, für denkbar. Damals war der private Waffenbesitz in Berlin grundsätzlich verboten. Aber es gab natürlich auch Schützenvereine – sie bewahrten die Sportwaffen für ihre sportlich aktiven Mitglieder auf.

Der Präsident des Bundes deutscher Sportschützen, Friedrich Gepperth, reagierte sehr spontan auf die Bitte, sich zu der Frage eines Verbots von Schützenvereinen zu äußern: „Auf einen groben Klotz ein grober Keil – bei Ihnen piept’s wohl?“ Er gab dann aber zu: „Wir haben schwarze Schafe, aber damit müssen wir leben.“ Der Missbrauch legal erworbener Waffen sei minimal, sagte der 46-jährige Unternehmer und verwies auf die Internetseite des „Forums Waffenrecht“ ( www.fwr.de ). Dort ist in einer Studie des Bundeskriminalamtes (BKA) nachzulesen, dass es nach Schätzungen in der Bundesrepublik rund 30 Millionen scharfe Waffen gibt, aber nur 10 Millionen davon registriert sind. Der BKA-Studie zufolge gab es 1999 in der Bundesrepublik rund 2800 Morde und Totschlagsdelikte. Bei 380 Taten wurden Schusswaffen verwendet, aber nur 22 Delikte sind mit legal gekauften Waffen begangen worden.

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