Berlin : Wenn der Funke auf Staub fällt

Vorsicht Kurzschluss: Warum Elektrogeräte Feuer fangen können

Paul Janositz

Eingeschaltete Herdplatten sind feuergefährlich, das leuchtet ein. Dass auch ein Kühlschrank in Flammen geraten kann, wie jetzt bei dem 95-jährigen Brandopfer in Moabit, das erstaunt allerdings. Was ist da so feuergefährlich? Vielleicht die Kühlflüssigkeit, könnte man denken, falls sie brennbar ist. Bei neueren Geräten ist dies mittlerweile der Fall, denn die nicht entflammbaren, doch umweltschädlichen FCKW wurden ersetzt. Doch die Menge an Isobutan, die sich im Kühlkreislauf befindet, ist sehr gering. „Nur so viel, wie in ein Gasfeuerzeug passt“, sagt Gerhard Heilmann von der Stiftung Warentest. Zudem könne normalerweise nichts aus dem abgedichteten Kühlkreislauf strömen.

Die möglichen Schwachstellen sind Kabel, Stecker und Steckdose. „Wenn der Kontakt an der Steckdose nicht gut ist, kann ein Widerstand entstehen“, sagt Peter Krakau, Experte vom TÜV. Das Material um die Steckdose herum könne dann zu schmoren anfangen. Deshalb solle man auf das GS-Zeichen achten. Das Siegel wird von unabhängigen Institutionen vergeben. Nicht so aussagekräftig ist das CE-Zeichen, das für alle in der EU verkauften technischen Geräte vorgeschrieben ist. „Dabei handelt es sich lediglich um eine Selbsterklärung des Herstellers, dass das Gerät den Normen entspricht“, erklärt Krakau.

Doch auch Kühlschränke, bei denen ein das GS-Zeichen Sicherheit verspricht, können durch unzuverlässige Verlängerungsschnüre oder Mehrfachsteckdosen feuergefährlich werden. Auch mechanische Beanspruchung kann unsicher machen. Wird das Kabel am Übergang zum Stecker stark geknickt, können die Drähte aus der Isolierung gerissen werden, sich berühren und zum Kurzschluss führen. Vielleicht war es so bei den sechs Bränden, die die Berliner Feuerwehr im letzten Jahr mit Kühlschränken in Verbindung brachte. Doch nicht die Kühlschränke selbst waren die Ursache, sondern Gegenstände in der Umgebung, sagt Detlev Gräfe von der Feuerwehr. Dabei kann es sich um eine dicke Staubschicht gehandelt haben, die sich hinter dem Kühlschrank abgelagert hatte und auf die ein Funke fiel.

Brennende Haushaltsgegenstände lösten im Jahre 2003 laut Gräfe insgesamt 311 Feuerwehreinsätze aus. Dabei kam auch ein 14-Jähriger ums Leben, als ein technischer Defekt einen Geschirrspüler in Brand setzte. Dabei sei das Gerät gar nicht eingeschaltet gewesen, sagt die Feuerwehr. Wie kann das sein? „Solange der Netzstecker nicht gezogen ist, kann eine Leitung auch bei abgeschaltetem Gerät durchschmoren“, erklärt Karl-Heinz Panitz vom Verband der Elektrotechnik (VDE). Es sei theoretisch denkbar, dass Feuchtigkeit aus einem undichten Schlauch entwichen und zu einem elektrischen Kontakt beispielsweise einer Steckverbindung gelangt sei.

Um ganz sicher zu sein, müsse man den Stecker ziehen, sagt der VDE-Experte. Das sei bei Haushaltsgeräten generell empfehlenswert – außer bei Kühlschränken natürlich. Grundsätzlich könne der Kontakt von Feuchtigkeit und Elektroleitungen schlimme Folgen haben. Außerdem kann sich gefährlich auswirken, dass immer mehr Geräteteile aus Kunststoff sind, der entstehende Rauchgase besonders giftig macht.

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