Berlin : Wenn der Hase Gute Nacht sagt

Noch ist die Osterschau in Charlottenburg zu sehen, bald wird die naturwissenschaftliche Sammlung geschlossen. Das erzürnt die Gemüter

Eva-Charlotte Proll
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Schau an.Foto: dapd

Quicklebendige Kaninchen hüpfen auf Spänen umher, es ertönt ein leises Piepsen, Küken drängeln sich um die Futterkrippe. Die tierischen Symbolträger stimmen alljährlich auf Ostern und seine Bräuche ein. Doch damit soll vorläufig Schluss sein: Noch bis 1. Mai zeigt die Naturwissenschaftliche Sammlung ihre alljährliche Osterausstellung „Eier – Hasen – Frühlingsboten“ in der Schlossstraße 69a in Charlottenburg, danach ist endgültig Schluss.

Die „Stiftung Stadtmuseum Berlin“ gibt die Standorte der Sammlung Kindheit und Jugend in der Wallstraße in Mitte sowie die Örtlichkeiten der Naturwissenschaftlichen Sammlung gegenüber vom Schloss Charlottenburg auf. Die Inhalte beider Ausstellungen sollen zunächst auf einer begrenzten Fläche im Märkischen Museum gezeigt werden. Daraus soll das „Berlin-Junior-Museum“ entstehen. Viele Ausstellungstücke kommen jedoch in die Poelzighalle der Wasserstadt Spandau – also ins Depot.

Das erzürnt die Gemüter. So sieht der Vorsitzende des Förderkreises der Naturwissenschaftlichen Sammlung, Gerhard Scholtz, „wenig Möglichkeiten, die Belange der Naturwissenschaftlichen Sammlung im Märkischen Museum unterzubringen“. Der Professor für Biologie und vergleichende Zoologie an der Humboldt-Universität hat an der Gründung des Museums 1987 mitgewirkt. Heute kritisiert er den Ideenmangel der Stiftung Stadtmuseum, die den Wegfall vieler Ausstellungstücke für die Öffentlichkeit ins Zentrallager scheinbar nicht bedauere. Eine Konkurrenz der Sammlung zum Naturkundemuseum in der Invalidenstraße sieht er nicht, da dort die Evolution der ganzen Welt den Ausstellungsschwerpunkt darstellt. Die Naturwissenschaftliche Sammlung zeigt die regionale Tierfauna und Geologie.

Die eigentliche Standortdebatte resultiert allerdings aus einem Verdrängungswettbewerb. Das Gebäude in der Schloßstraße teilt sich die Sammlung mit dem Heimatmuseum. Diese zieht jedoch Mitte des Jahres in die Villa Oppenheim um – nur wenige Minuten entfernt – und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz möchte beide Räumlichkeiten nutzen. Diese wurden bisher, als Eigentum des Landes Berlin, der Stiftung Stadtmuseum mietfrei zur Verfügung gestellt.

Martina Weinland, Abteilungsdirektorin der Stiftung, sieht den neuen Standort als Vorteil: „Die Sammlung erfährt eine dauerhafte Aufwertung. Sie wird nicht auf zwei saisonale Sonderausstellungen reduziert.“ Außerdem sei das Gebäude in Charlottenburg ursprünglich für Büros und Mitarbeiterräume konzipiert, nicht für ein Museum gedacht.

Ähnlich denkt auch der Museumskurator der Naturwissenschaftlichen Sammlung: Manfred Gräfe hat einst „Knautschke“, das ausgestopfte Flusspferd aus dem Zoo in die Sammlung mit aufgenommen, doch der wartet in der Poelzighalle vergebens auf Aufmerksamkeit. „Die Räumlichkeiten sind im Märkischen Museum deutlich besser, hier in der Schloßstraße passt Knautschke gar nicht erst durch die Eingangstür.“ Im Rahmen einer baulichen Sanierung des Märkischen Museums 2015 sollen der Naturwissenschaftlichen Sammlung bis zu 700 Quadratmeter zur Verfügung gestellt werden.

Scholtz ist empört: „Das ist kein Konzept, das Stadtmuseum ist froh, etwas Lästiges los zu sein“. Er meint den Förderverein und eine unrentable Bewirtschaftung der Sammlung. Doch was auch wegbleiben wird, ist seiner Meinung nach „die Frische, das Dynamische und der Reiz, den die Sonderausstellungen bisher gebracht haben“. So war zum Beispiel die Schau „Eiskalt – Die Eiszeit in Berlin“ zum Jahreswechsel 2010/2011 bei Erwachsenen und Kindern sehr beliebt. Knapp 10.000 Besucher zog diese Ausstellung an, das ist eine stolze Zahl für ein kleines Museum wie die Naturwissenschaftliche Sammlung. Einen ähnlichen Zuspruch erfuhr auch die traditionelle Osterausstellung. Es lohnt sich hinzugehen und ein Auge offen zu halten: Die Schau begeistert schon seit 1993 junge Menschen und Familien.

Bis 1. Mai, Schlossstraße 69, täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei. Auch an den Osterfeiertagen geöffnet – außer montags.

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