Berlin : Wenn der Sommer nicht auf den Kalender hört

Mit der Sonne fehlen in den Freibädern auch die Gäste. Die Öffnung der Hallen ist den Bäderbetrieben aber zu teuer

Matthias Oloew

Für den Kalender gilt das Gleiche wie für den Betriebsplan der Berliner Bäder Betriebe: Es ist Sommer. Nur das Wetter hält sich nicht daran. Die Phasen zwischen den Regengüssen sind für die Badegäste zu kurz, als dass sie draußen schwimmen gehen würden. Die Folge ist derzeit in allen Frei- und Sommerbädern zu beobachten: Bademeister, die sich die Bäuche kraulen und auf die wenigen unbeirrten Schwimmer schauen, die sich täglich freuen: „Toll, schon wieder das ganze Becken für mich.“ Gleichzeitig haben die Bäder-Betriebe bis auf acht Standorte alle Schwimmhallen geschlossen, um Kosten zu sparen. „Grundsätzlich halten wir dieses Angebot für ausreichend“, sagt Bäder-Chef Klaus Lipinsky.

Es ist paradox. Obwohl die Bäder-Betriebe im Vergleich zum Vorjahr im Juni 66 Prozent weniger Besucher zählten und 63,5 Prozent weniger Umsatz machten, ist der Bäder-Chef zuversichtlich. „Wirtschaftlich liegen wir noch im Plan“, sagt Lipinsky. In konkreten Zahlen für den Monat Juni heißt das: Gut 300000 Gäste gingen in die Bäder und bescherten dem Betrieb circa 760000 Euro Umsatz. Im Jahr 2003 waren es 907000 Gäste und 2,08 Millionen Euro Umsatz. Die Einnahmeverluste des vergangenen Monats gleichen nach Lipinskys Angaben Gewinne aus den ersten vier Monaten des Jahres aus. Außerdem würden Reparaturen verschoben und das Wasser nicht so stark geheizt, um Kosten zu drücken.

Viel wichtiger für den Wirtschaftsplan des Bäderchefs ist jedoch, dass der Zuschuss des Senats an die Bäderbetriebe gleich hoch bleibt, egal, wie viele Leute kommen. 39,5 Millionen Euro fließen aus Steuergeldern an die Bäder, das sind in etwa zwei Drittel des gesamten Etats. Ein Drittel kommt aus Eintrittsgeldern zusammen. Wenn also, wie jetzt, sich ein Loch durch Einnahmeverluste von einer Million Euro auftut, ist das für den Bäderchef noch kein Grund zur Besorgnis. „Wir hoffen darauf, dass sich das Wetter bessert, Juli und August sind in der Regel die schönsten Monate.“

Bereits geschlossene Schwimmhallen wieder aufzumachen, um die Einnahmen zu erhöhen, ist für Lipinsky kein Mittel: „Dann entstehen Betriebskosten, die nicht gedeckt werden können.“ Außerdem glaubt Lipinsky nicht, dass die Badegäste im Sommer in der Halle schwimmen wollen. „Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass die Besucherzahlen in den Hallenbädern während der Sommermonate gravierend einbrechen.“ Dieser Sommer bildet aber auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme: „In den noch geöffneten Hallenbädern zählen wir derzeit 30 bis 50 Prozent mehr Gäste.“ Trotzdem sind die Hallen in diesem Jahr viel länger geschlossen. Im Juli kommen noch mehr dazu, sodass ab Montag kommender Woche noch fünf Hallen offen sind. Da bleibt für kälteempfindliche Badegäste: weite Wege in Kauf nehmen oder die Hoffnung – auf steigende Temperaturen.

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