Berlin : Wenn der Vater die Tochter ins Ausland entführt

Beim „Tag der vermissten Kinder“ erhalten Eltern rechtlichen Beistand

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Petra Körber trägt ein weißes TShirt mit einem Farbporträt ihrer Tochter Souria. Darüber steht: „Vom Vater entführt nach Algerien.“ Seit dem 23. Juni 2001 vermisst die Mutter das inzwischen achtjährige Mädchen. Sie ist verzweifelt. Petra Körber besucht am Sonntag den „Tag der vermissten Kinder“ in Berlin. Die Aktion wird in Deutschland zum ersten Mal zeitgleich in der Hauptstadt und in Hamburg von der „Elterninitiative Vermisste Kinder“ aus dem schleswig-holsteinischen Kisdorf ausgerichtet. Vorbild ist die belgische Organisation „Child Focus“, die im vergangenen Jahr erstmals in Europa den 25. Mai zum „Tag der vermissten Kinder“ ausgerufen hatte. „Wir wollen mit unserer Aktion die Öffentlichkeit auf diese weitgehend verdrängte Problematik aufmerksam machen“, sagt die Sprecherin der Elterninitiative, Monika Bruhns. In Deutschland würden insgesamt etwa 1000 Kinder vermisst, jährlich verschwänden rund 35 Kinder und Jugendliche.

Unter Tränen erzählt Petra Körber ihre Geschichte. Im Juni 2001 sei sie mit ihrem algerischen Ehemann und der gemeinsamen Tochter in Urlaub nach Algerien gereist. Kurz vor der geplanten Rückreise habe ihr Mann Souria versteckt, so dass sie allein zurückkehren musste.

Seitdem kämpft die Verkäuferin um ihre Tochter. „Die deutschen Behörden lassen mich im Stich“, schimpft Körber, „mit meiner Trauer und meiner Angst bin ich alleine, nur meine Eltern unterstützen mich.“ Seit dem Erdbeben in Algerien macht sich die Mutter auch um das Leben ihrer Tochter Sorgen. „Souria lebt mit ihrem Vater bei Algier“, sagt sie. „Das Telefon funktioniert nicht.“ Auch der Rechtsanwalt in Algerien, den Körber mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt hat, sei nicht mehr zu erreichen.

Von einem ähnlichen Schicksal berichtet Nicole Labiadh. Ihre damals drei Monate alte Tochter Celine wurde vom Vater vor fünfzehn Monaten während eines Urlaubs in Tunesien entführt. „Einen Tag vor dem Rückflug bin ich mit ihm einkaufen gegangen und als wir wiederkamen, war Celine verschwunden“, erzählt die Bürokauffrau. „Darauf sperrte mich mein Mann ein und zwang mich, allein nach Berlin zu fliegen.“ Ihr Ehemann verweigere ihr inzwischen jeden Kontakt mit Celine. Da es zwischen der Bundesrepublik und Tunesien kein Abkommen im Familienrecht gebe, wisse sie nicht, was sie noch unternehmen solle.

Bei Kindesentzug ins Ausland sei eine Rückführung zu dem sorgeberechtigten Elternteil nur sehr schwer möglich, erklärt Bruhns. Das Auswärtige Amt sowie deutsche Botschaften und Konsulate hätten in solchen Fällen keine rechtlichen und in der Praxis nur sehr beschränkte Möglichkeiten zu helfen. Die Entscheidung für das Sorgerecht liege beim Gericht. Die Elterninitiative unterstützt vor allem über das Internet die Angehörigen bei der Suche nach ihren Kinder. Neben Kindern, die von einem Elternteil ins Ausland entführt werden, sucht die Initiative Kinder, die auf „unerklärliche Weise“ verschwinden, sowie ältere Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen wie „Abenteuerlust“ oder „Angst vor Veränderungen durch das Erwachsenwerden“ ihr Elternhaus verlassen und „in Situationen geraten, denen sie nur schwer wieder entkommen können“. ddp

Informationen im Internet unter www.vermisste-kinder.de

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