Berlin : Wenn die Hüllen fallen

Nach dem Potsdamer Platz wird nun der „Leipziger“ entdeckt

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Passanten wundern sich: Was hat den Leipziger Platz so verändert? Ist es das Frühlingserwachen? Gerade die Hälfte der Neubauten stehen, doch wirkt der Platz schon viel fertiger und abwechslungsreicher. Fassaden, von Gerüsten und Winterplanen befreit, zeigen Konturen und Unterschiede, die viele Betrachter nicht erwartet haben.

Seit der langen Planungsphase haftet dem Platz das Vorurteil an, dass eine Architektur zu langweilig und zu steinern ist, nicht so abwechslungsreich wie am Potsdamer Platz, wo noch immer Neubauten entstehen und nun auch schon das rohbaufertige BeisheimCenter oder die Dachspitzen der Delbrück-Bank beliebte Fotomotive sind.

Martin Feickert aus Frankfurt am Main gehörte gestern zu den Zehntausenden Berlinern und Touristen, die das Sonnenwetter zum Spaziergang durchs Berlins neue Mitte nutzten. „Die Architektur des Leipziger Platzes ist okay.“ Es findet es aufregend, dass jedes Haus neben dem Sockel eigentlich aus zwei verschiedenartige Teilen besteht. Es sieht aus, als sei jeweils ein Haus dem anderen aufgesetzt worden.

Als letzte der bisherigen Neubauten sind auf der Südseite die Wohn- und Geschäftshäuser Leipziger Platz 8 und 9 fertig geworden. Vor allem das von Christoph Langhof entworfene Haus fällt mit großformatigen Fensterbändern aus dem Rahmen. Ein wenig erinnern sie an moderne Geschäftsbauten der zwanziger Jahre. Die oberere Hälfte hat schmale, hohe Fenster und dekorativen Fassadenschmuck. Am Nachbargebäude, entworfen vom Büro Hilmer, Sattler, Albrecht, fallen im unteren Teil die Fensterbuchten auf, die an die traditionelle Erkerform erinnern sollen. Beide Häuser gehören inzwischen mit dem Mosse-Palais auf der anderen Platzseite zu den Favoriten am Platz. Wobei viele Touristen gar nicht wissen, dass sie auf dem Leipziger Platz sind, weil dort die Bahnhofszugänge Potsdamer Platz heißen.

Auch Bänke werden vermisst, auf denen Spaziergänger sich gerade bei diesem Sonnenwetter – heute sind fast 14 Grad möglich – in Ruhe umschauen könnten. Die Grünfläche wirkt noch immer streng und abweisend. Als warte sie darauf, erst dann entdeckt zu werden, wenn der Platz an seinen acht Ecken vollständig bebaut ist.

Aber Berliner und Touristen entdecken auch so genug. Hier herrscht immer noch Neuland. Der ausgesteckte Arm, der ausgestreckte Zeigefinger, die Kamera: Sie gehören bei Spaziergängern zwischen den Plätzen zur Grundausstattung.C.v.L.

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