Berlin : Wenn die Preußen unter die Vandalen geraten

Wieder ist ein wertvolles Standbild beschädigt worden – Experten fordern, historische Originale ins Museum zu stellen

Jörn Hasselmann

Erst waren die Brüste der Göttin weg, dann eine Kralle des Adlers. Gestern wurden dann weitere Beschädigungen am Denkmal des Preußen-Generals Friedrich Wilhelm Graf Bülow von Dennewitz entdeckt: Dem Adler fehlt eine weitere Kralle, der Figur darüber die Hand und der halbe Ährenkranz. „Alles, was übersteht, wird von Vandalen abgeschlagen“, sagt Holger Heiken vom „Forum Stadtbild“. Der Verein fordert jetzt, die wertvollen Denkmale abzubauen und in einem Museum zu sichern. Schließlich handelt es sich bei der Marmorstatue um ein 181 Jahre altes Original des Bildhauers Christian Daniel Rauch.

Um Dennewitz und Scharnhorst gibt es seit der Wende Streit. Bis 1951 standen die Generäle neben der Neuen Wache, die DDR entfernte sie aus politischen Gründen. Und nach der Wende durften sie nicht wieder an ihren angestammten Platz, weil sie sich angeblich nicht vertragen mit der in der Wache aufgestellten Pietà von Käthe Kollwitz (die bekanntlich nur eine vergrößerte Kopie ist). Diese Zusicherung wurde den Erben der Künstlerin schriftlich gemacht. Bis 2002 stand Dennewitz in einer Reinickendorfer Lagerhalle, bis er dann von Bausenator Peter Strieder im Herbst feierlich gegenüber der Neuen Wache, im Prinzessinnengarten, aufgestellt wurde.

Und seitdem leidet das Denkmal, klagt Holger Heiken. Im Museum wäre es der Reichweite der in Berlin allgegenwärtigen Chaoten entzogen. Die Sprecherin von Bausenator Strieder ist gegen den Umzug ins Museum: „Wir lassen uns unsere Kultur doch nicht von Vandalen wegnehmen“, sagt Petra Reetz. „Unter den Linden kann sich jeder daran erfreuen, im Museum nicht“, sagt Reetz. Für den Vereinsvorsitzenden Heiken ist das kein Argument: „Die Denkmale stehen kurz vor ihrer Zerstörung – und dann kann sich keiner mehr daran erfreuen.“ Zudem sei eine gute Kopie für den Laien nicht vom Original zu unterscheiden. Eine Kopie ohne Sockel habe ein Steinmetz auf 40 000 Euro beziffert, sagte Heiken.

In der Denkmalbehörde, die ebenfalls Peter Strieder untersteht, ist man jedenfalls schon nachdenklich geworden. „Über einen Umzug ins Museum haben wir diskutiert, aber ohne Ergebnis“, sagte Denkmalpfleger Frank Keidel gestern dem Tagesspiegel. Bei der Polizei ist die neuerliche Beschädigung noch nicht bekannt, hieß es gestern auf dem zuständigen Abschnitt 32. Problematisch sei, dass Scharnhorst und Dennewitz etwas entfernt von der Straße stehen; „da sieht man aus dem Funkwagen heraus keine Beschädigungen“, sagte ein Polizist.

Informationen im Internet:

www.stadtbild-berlin.de

www.dennewitz.com

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