Berlin : Wenn ein Arztbesuch unerschwinglich ist

Bei der Malteser Migranten Medizin wird Menschen ohne Krankenversicherung geholfen

Daniela Martens

Wenn Adelheid Franz über ihre Fälle mit anderen Ärzten spricht, kann sie sogar Mediziner das Gruseln lehren. Denn viele ihrer Patienten haben den Arztbesuch so lange vor sich hergeschoben, dass es fast zu spät ist, die Krankheiten zu heilen. Mit weit fortgeschrittenen Krebsleiden und Magengeschwüren kommen ihre Patienten, mit stark entzündeten Abszessen und nicht behandelten Knochenbrüchen. „Nur mit einer Erkältung, traut sich keiner hierher“, sagt Adelheid Franz. Die Kranken, die zu ihr kommen, haben keine Krankenversicherung und können sich keinen regulären Arztbesuch leisten.

Adelheid Franz’ kleines Sprechzimmer liegt in einem tristen Flachdachgebäude an der Aachener Straße in Wilmersdorf : In der Malteser Migranten Medizin werden Kranke behandelt – ohne dass nach der Chipkarte gefragt wird. Als die Beratungsstelle vor fünf Jahren eingerichtet wurde, saßen vor allem illegale Einwanderer in dem schmucklosen Wartezimmer. Inzwischen hat sich die Patientenkartei so sehr verändert, dass der Name fast irreführend ist: Ihre Patienten sind immer häufiger deutsche Selbstständige, die am Existenzminimum leben und keine Krankenversicherung bezahlen können.

Finanziert wird die Arbeit der Beratungsstelle mit Spenden, doch die Ausgaben sind hoch: Medikamente, Verbandszeug, Operationen und Untersuchungen bei Fachärzten müssen finanziert werden. Und obwohl die Patienten zahlen, soviel sie können, und viele Ärzte ehrenamtlich mit Adelheid Franz zusammenarbeiten, fehlt das Geld an allen Ecken. Deshalb will der Tagesspiegel helfen, damit Adelheid Franz auch weiterhin schwerkranke Menschen versorgen kann. Einer von ihnen ist Herbert Schreiner. Als er zum ersten Mal in Adelheid Franz’ Sprechstunde kam, konnte er nur noch wenige Schritte tun, dann wurden die Schmerzen unerträglich: „Das waren Krämpfe, als würden die Beine abfallen“, erzählt der Mitbesitzer einer kleinen Baufirma. Denn er schämt sich: Sein Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen, obwohl er Tag und Nacht arbeitet. Deshalb hat er hohe Schulden. Er musste dringend operiert werden, andernfalls hätten seine Beine amputiert werden müssen. Außerdem hatte er einen Leistenbruch und die Bauchdecke war gerissen. Wie Schreiner kann Adelheid Franz die meisten ihrer Patienten nicht nur in ihrem Sprechzimmer behandeln – sie organisiert dann die notwendigen Untersuchungen und Operationen. Etwa 15 000 Euro hat allein Schreiners Behandlung gekostet. Nicht für jeden Kranken gibt die Beratungsstelle so viel aus, aber auch tägliche Insulinspritzen oder neue Verbände sind teuer – schließlich behandelt die Ärztin etwa 2000 Patienten im Jahr.

Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“ Kto.-Nr. 25 00 30 942, Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00. Online-Banking ist möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion

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