Berlin : Wenn große Namen locken

Um das Lokal „Brechts“ gibt es Streit – weil keiner die Erben des Dichters fragte

Verena Friederike Hasel

Die „Brechts“-Betreiber haben nicht vor, den Namen ihres Restaurants zu ändern. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagt René Gamper, der das Lokal am Schiffbauerdamm in Mitte seit August 2006 gemeinsam mit Hubert Hirschfeld führt. Vergangene Woche hatte die Tochter von Bertolt Brecht, Barbara BrechtSchall, die beiden aufgefordert, bis zum 28. Februar eine Umbenennung vorzunehmen. Sie begründet dies damit, dass sie als Erbin gegen die Verwendung des Namens Brecht als Restauranttitel sei. Gamper sieht sich und seinen Partner dagegen im Recht: Nach Auskunft ihres Rechtsanwaltes sei es 50 Jahre nach dem Ableben einer berühmten Person gestattet, ihren Namen zu Werbezwecken zu verwenden, solange man ihn nicht beschmutze, sagt er. „Insofern sehen wir auch einem möglichen Prozess gelassen entgegen.“

Dass Gastronomen ihre Läden nach bekannten Persönlichkeiten taufen, kommt in Berlin des Öfteren vor: So gibt es im Filmhaus am Potsdamer Platz in Mitte seit sieben Jahren das „Billy Wilder’s“. Bevor die Bar eröffnet wurde, hatten die Betreiber den US-amerikanischen Regisseur um Erlaubnis gebeten, seinen Namen verwenden zu dürfen. Er habe sie gern gegeben, sagt Manuela Bader, eine Mitarbeiterin der Bar. Vor seinem Tod im Jahr 2002 sei er auch einige Male da gewesen. Josef Laggner, der seit 1999 die „Newton“-Bar am Gendarmenmarkt in Mitte betreibt, holte ebenfalls zunächst die Erlaubnis des Fotografen Helmut Newton ein. „Einen Vertrag gibt es nicht, dafür aber eine mündliche Absprache“, sagt Laggner. Das ist seiner Ansicht nach auch ausreichend: Schließlich sei Newton erfreut, dass die Bar nach ihm heiße. „Er hat uns sogar eine Fotografie mit einer persönlichen Widmung zukommen lassen“, sagt Laggner.

Das Bistro „Dietrich’s“ im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz hingegen hat sich nicht mit Erben Marlene Dietrichs abgesprochen, als es 1998 eröffnete. Simon Graf vom Grand Hyatt Hotel hält es für unwahrscheinlich, dass sich einer von ihnen beschwere. Und selbst wenn, sieht er keine Probleme: Schließlich nähmen sie in der Bar keinen direkten Bezug auf die Schauspielerin. „Im Zweifelsfall könnte der Barname auch auf den Vornamen Dietrich zurückgehen.“

Das „Frida Kahlo“ in der Lychener Straße im Prenzlauer Berg kann die Verbindung zur gleichnamigen mexikanischen Malerin, die 1954 verstarb, dagegen kaum verbergen: An den Wänden des seit 1996 bestehenden Restaurants hängen Drucke der Künstlerin, in der Speisekarte ist ihr Lebenslauf nachzulesen. Eine Genehmigung habe er nirgends eingeholt, sagt der Betreiber Celal Kurum. „Ich habe es einfach gemacht.“ Bisher gab es keine Beschwerden. Und Kurum glaubt, dass das so bleibt: „Das ist doch eine Ehrbezeugung; wen sollte das denn stören.“

Keine Hommage ist hingegen der Name des Kaffehauses „Einstein“, darauf legt der Prokurist Hubertus Buchinger wert: „Mit Albert Einstein hat das nichts zu tun.“ Den Begründern sei es 1978 allein um den schönen Klang gegangen.

Allerdings hat es in Berlin auch schon Rechtsstreit wegen phonetischer Merkmale gegeben: So musste sich das Café „Cibo matto“ in der Rosenthaler Straße in Mitte 2005 in „C. Matto“ umbenennen. Das hatte der Kaffeehersteller „Tschibo“ vor Gericht erwirkt, da er aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit Verwechslungen mit der eigenen Firma befürchtete.

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