Berlin : Wenn "Ibo" ruft, kommen die Fans auch im Regen

Suzan Gülfirat

Überall in der Stadt hängen zurzeit Plakate von Ibrahim Tatlises. Heute Abend wird der schnauzbärtige Megastar aus der Türkei in der Max-Schmeling-Halle im Bezirk Prenzlauer Berg singen. Wenn er seine neuesten Songs voll Herz und Schmerz mit dem Slang südostanatolischer Bauern ins Mikrofon säuselt, werden selbst gestandene Männer feuchte Augen bekommen. Gleich in sechs türkischen Vorverkaufsstellen wurden die Karten, die zwischen 50 und 90 Mark kosten, verkauft. Die jungen Berliner Türken kennen Tatlises durch ihre Eltern und von seiner "Ibo-Show" im türkischen Satelliten-Fernsehen.

Selbst böse Gerüchte können dem Sänger nichts anhaben. Vor zwei Wochen hatte die türkische Zeitung "Hürriyet" berichtet, dass er seine Freundin, die Bauchtänzerin Asena, geschlagen habe. "Stimmt nicht. Ich habe schon seit fünf Jahren keine Frau geschlagen", beteuerte Tatlises am Tag darauf. Aber gegen solche Berichte kann der 49-jährige Entertainer, den seine Fans "Ibo" nennen, nur wenig unternehmen. Denn für die Türken ist er eine öffentliche Person wie Boris Becker für die Deutschen, und er wird vom Bosporus bis zum Ararat verehrt. Mehre tausend Karten wurden auch in Berlin verkauft.

Vor drei Jahren hatte ihn auch Harald Schmidt in der "Ibo-Show" entdeckt, als er ihn im Rhythmus seines antolischen Gesanges über die Bühne tänzeln sah. "Ibo, bitte melde Dich", rief Schmidt in seiner Show nach dem türkischen Phänomen, das nicht nur singt, sondern auch in Filmen mitspielt und außerdem Hotels und Imbissketten besitzt. Und tatsächlich: Ibo kam, verschenkte Rosen und sang. Bei seinem Auftritt in der Harald-Schmidt-Show regnete es rosa Ballons, und die Veranstalter mussten draußen eine Leinwand aufstellen, weil nicht alle Fans einen Platz im Saal bekommen hatten. Aber der Sänger versprach wiederzukommen. Bei seinem Konzert im Juni in der Freilichtbühne Weißensee mussten die Fans dann im strömenden Regen stehen. "Ich komme wieder", versicherte Tatlises seinem durchnässten Publikum. Mal sehen, was heute vom Himmel herunterkommt.

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