Berlin : „Wenn man investiert, dann funktioniert das auch!“

Beim Treffpunkt Tagesspiegel wurde gestern Abend über die Zukunft der Jugend in Berlin diskutiert

Jan Oberländer

Ärger gab’s keinen. Die beiden Wachmänner vor der Saaltür im Hotel Intercontinental schauten beim Einlass in die eine oder andere Handtasche. Dann aber hatten sie nichts mehr zu tun. Die Sicherheitsvorkehrungen waren für nötig gehalten worden, weil das Privathaus von Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) vergangene Woche von Autonomen mit Farbe beschmiert wurde – aus Protest gegen die Genehmigung eines NPD-Treffens in seinem Bezirk.

Das Podiumsgespräch, an dem Buschkowsky gestern teilnahm, beschäftigte sich mit einem anderen Thema. „Jugend in Berlin: Zwischen Krisen, Krach und Chancen“ war der Titel der Veranstaltung der Reihe Treffpunkt Tagesspiegel. Neben Buschkowsky saßen die Jugendrichterin Kirsten Heisig, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Kinderhilfswerks Thomas Krüger sowie Tagesspiegel-Redakteurin Claudia Keller auf dem vom Ex-Wissenschaftssenator George Turner moderierten Podium.

Die Probleme sind so drängend wie vielfältig, reichen von chancenlosen Unterschichtenkids bis zu Intensivtätern mit und ohne Migrationshintergrund. Heimliches Hauptthema war die Integration. Alle auf dem Podium betonten die große Bedeutung der Bildung. Schon im Kindergartenalter sollte interkulturell gelernt werden, um der „Segregation“ entgegen zu wirken, fand Heisig: „Wer erst einmal im Jugendknast sitzt, ist verloren“. Auch Krüger forderte mehr Geld für Kindergärten und eine Reform des Bildungssystems. Deutschland liege bei den Bildungsausgaben im EU-Vergleich auf dem drittletzten Platz.

Buschkowsky war gleicher Meinung: „Wenn man investiert, dann funktioniert das auch!“ Einig war er sich aber auch mit Heisig, dass Sanktionen nötig sind, wenn Angebote nicht angenommen werden. Die Schulpflicht müsse durchgesetzt werden, da seien auch die Eltern in der Pflicht. Buschkowsky erzählte von seiner Reise nach Rotterdam, wo Integrationsprobleme durch vielfältige Maßnahmen angegangen werden. Etwa durch enge Zusammenarbeit von Schulen, Jugendamt und Polizei. Durch Sozialarbeiter mit Migrationshintergrund. Und durch mehr Geld für Problemschulen. Applaus im Saal. Die Publikumskommentare klingen, als würden sie Buschkowsky gern ans Ruder lassen. Jan Oberländer

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