Berlin : Wenn Politiker ihre Gegner loben sollen

Marienkirche lädt zu besonderem Gottesdienst

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Dass Politiker jetzt, im Wahlkampf, aufeinander rumhacken und sich gegenseitig vorwerfen, Probleme zu verkennen oder nie lösen zu können, ist nicht ungewöhnlich. Aber ist es fair? Abgeschmackt? Ist es nicht manches Mal sogar glatt gelogen? Und: Geht das nicht auch anders?

Es geht: Heute Abend stehen vier Politiker unterschiedlicher Parteien vor einer ungewohnten Aufgabe. Sie sollen sagen, was sie an den anderen Parteien gut finden. Und das nicht im Rahmen einer Politdebatte, sondern in der Marienkirche am Alexanderplatz. Im Rahmen eines Gottesdienstes. Titel: „Politiker – Erzfeinde im Wahlkampf“. Teilnehmer: Torsten Hilse von der SPD, Stefan Liebich (Linkspartei/PDS), Gregor Hoffmann (CDU) und Axel Hahn (FDP), die bis auf letzteren alle als Direktkandidat zur Wahl stehen. Zwischen Orgelspiel, Predigt, Fürbitte und Vaterunser sollen sie in drei- bis fünfminütigen Beiträgen je eine andere Partei loben. Dies sei, so sagt Pfarrer Johannes Krug, der „kirchliche Beitrag zu einem fairen Wahlkampf“. Er freut sich besonders auf das, was Liebich über die FDP sagen wird und Hoffmann über die PDS. Der Sozialdemokrat Hilse soll die CDU loben und der FDPler die SPD. Die Grünen seien nicht dabei, weil sie auf die Einladung nicht reagiert hätten, sagt Krug. Ansonsten sei es nicht schwer gewesen, die Kanzel vollzukriegen. Und wenn die Politiker sich nicht an die Spielregeln halten und doch vom Leder ziehen? Man werde den Rednern nicht das Wort abschneiden, sagt Krug, hoffe aber auf diszipliniertes Verhalten. Im Übrigen sage so ein Fehlverhalten auch einiges über den Missetäter.

Nach Ende des Gottesdienstes ist dann noch ein Beisammensein geplant, bei dem Zuhörer sich direkt an die Politiker wenden können – und die wieder aufeinander herumhacken dürfen. ari

Der Gottesdienst beginnt um 18 Uhr 30 in der Marienkirche, Alexanderplatz

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