Berlin : Wer bezahlt Nicaragua-BildNr. 3? Streit um Lichtenberger Fassadengemälde

von
Indio-Dorf für Lichtenberg. „Nicaragua“ heißt die Fassaden-Malerei - hier noch im Original, anno 2004. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Indio-Dorf für Lichtenberg. „Nicaragua“ heißt die Fassaden-Malerei - hier noch im Original, anno 2004. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: kai-uwe heinrich hf

Welches Sümmchen hat wohl 1985 der Ost-Berliner Magistrat für 255 Quadratmeter Nicaragua auf den Tisch gelegt? In diesem Punkt sieht sich Andreas Geisel überfragt – ansonsten weiß er Bescheid über alles, was die Wiederherstellung des Wandgemäldes am Haus Skandinavische Straße 26 betrifft. Vor allem weiß er: Es ist schon zum zweiten Male verschwunden. Und er lässt nicht locker. Zur Wiederherstellung hat der Lichtenberger Bezirksbürgermeister nun fünf streitenden Parteien eine Konsens-Lösung vorgeschlagen. Dass es bei dem Rettungsplan lediglich um die Restaurierung einer Kopie geht, weil das Original des Kunstwerks – die Darstellung eines 1978 vom Somoza-Regime vernichteten Indio-Dorfes – vor acht Jahren sanierungsbedingt überdeckt worden war, stört den SPD-Politiker nicht.

Für ihn ist das Monumentalwerk „ortsbildprägend“ gewesen; ersatzlos könne man Kunst im öffentlichen Raum nicht verschwinden lassen. In diesem Fall allerdings ist der öffentliche Raum die Fassade einer privaten Immobilie. Als der Maler Manuel Garcia Moia vor 28 Jahren die Wand an der Lichtenberger Brücke bunt bemalt hatte, spielten Besitzverhältnisse hier noch keine hinderliche Rolle. In der Folge überstand das Werk des Künstlers aus Nicaragua die Wende, nicht aber den Trend zu energiesparenden Baumaßnahmen. Weil der Hauseigentümer 2005 die Beschichtung der Fassade plante, bildete sich eine Rettungsinitiative fürs Kunstwerk. Mit dem Besitzer schloss die Initiative einen Vertrag, der ihn im Kontext der Kunstbewahrung von jeglichen Zusatzkosten freistellt; die Aktivisten halten nun die Rechte an dem Bild.

Sie sammelten Spendengelder, insgesamt 100 000 Euro. Das Original verschwand unter der Wärmedämmung. Beauftragt, auf diese Schicht eine Kopie des Gemäldes aufzutragen, wurde der Künstler Gerd Wulff, Moia war schon zu alt. Doch Gerd Wulffs Werk hielt nicht allzu lange, seit 2012 bröckelten Putz und Farben, so dass der Rest des Bildes Nr. 2 mittlerweile wieder abgetragen wurde. 2005 war die Adresse am Bild nach Moias Dorf Monimbó-Platz genannt worden; jetzt ist Monimbó wieder weg.

Schuld an der vertrackten Situation seien außer dem Eigentümer alle Beteiligten, behauptet ein Gutachten. Es geht um falsche Farbtechniken und andere Fehlgriffe. Bürgermeister Geisel plädiert nun dafür, sich die neuen Kosten zu teilen: 100 000 Euro für Wärmeschicht Nr. 2, da die erste durch das Bild verdorben wurde; 50.000 Euro für Farbe, Gerüst und Künstlerhonorar. Finanziell gefordert sind: die zwei Firmen, ihre Versicherungen und die „Initiative Nicaragua-Wandbild“. Bis 2014 möchte Geisel Monimbó Nr. 3 realisiert haben. Thomas Lackmann

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar