Berlin : Wer bietet mehr?

Die Freunde der Nationalgalerie feiern ihren Geburtstag mit einer Auktion, bei der alle mitsteigern dürfen

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Im alten West-Berlin zählte er zu den wichtigen Keimzellen des gesellschaftlichen Lebens. Nun wird der Verein der Freunde der Nationalgalerie 25 Jahre alt. Dieser Geburtstag soll zum einen den Förderern zugute kommen, die sich – zum ersten Mal unentgeltlich – am kommenden Freitag zu einem Sommerfest in der Neuen Nationalgalerie versammeln. Vor allem aber soll der Anlass weiteren Kunstanschaffungen und Ausstellungen dienen.

Deshalb gibt es vor dem Fest am 23. August um 17.30 Uhr eine öffentliche Auktion mit Werken, die jeden gutbürgerlichen Haushalt zieren. Peter Raue, der auch als Auktionator fungieren wird, habe liebevoll-eloquente Bettelbriefe an Galerien, Künstler und Mäzene geschrieben. Dies verriet im Rahmen einer Vorbesichtigung am Freitag Hans-Georg Oehlmann, der Schatzmeister des Vereins.

Das Feedback war höchst erfreulich. Werke von Picasso, Lovis Corinth, Joan Miró, Rebecca Horn, Jenny Holzer, Katharina Sieverding, Norbert Bisky und Christo sind zusammen gekommen. Wer mitbieten möchte, kann sich die Werke vorab ansehen, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr, Dienstag und Mittwoch von 10 bis 18, Donnerstag sogar bis 22 Uhr. Schatzmeister Oehlmann erwartet – als selbsternannter Zweckpessimist – einen Ertrag von etwa 300000 Euro.

Der Verein, der über 1000 Mitglieder verfügt, die jährlich 600 Euro Beitrag zahlen, wendet für manche Werke bis zu drei Jahretats auf. „Wir wollen nicht fürs Lager kaufen, sondern Highlights erwerben,“ lautet einer der Grundsätze des Vereins. Betont fügen sich die Freunde ins Gesamtkonzept ein: „Wir wollen keine Politik machen, sondern tun, was der Direktor will und verstehen uns eher als Dienstleister.“ Über die Jahre sei es gelungen, die Summe aller Ausgaben und Einnahmen für alle Ausstellungen ausgeglichen zu halten. Das ist aber kein Grund, sich auszuruhen, denn im Jahr 2004 soll es einen ganz besonderen Höhepunkt geben. Dann wird im Museum of Modern Arts in New York umgebaut, weshalb viele Werke für sieben Monate an die Spree verfrachtet werden. Eine logistische und versicherungstechnische Herausforderung, deren Kosten schon jetzt mit etwa zehn Millionen Euro veranschlagt werden.

Oelmann verweist zwar fröhlich auf die Phantasie und Kreativität der Freunde beim Geldauftreiben, aber es wäre ihm lieb, wenn bei der Auktion zum Geburtstag, bei der es Limitis weder nach oben noch nach unten gibt, möglichst viele Bieter die Preise in die Höhe treiben. Einen Katalog gibt es auch, und wer sich in den guten Zweck einlesen will, sollte das gestern erschienene, von Kuratoriumsmitglied Jan Rave herausgegeben Jubiläumsbuch nicht verpassen, in dem auch an den 1929 gegründeten Vorgängerverein erinnert wird. Außerdem finden sich darin alle Ankäufe seit damals. Zu den ersten gehörte Edvard Munchs Bühnenbild zu Ibsens Stück „Gespenster“, zu den jüngeren die 1999 angekaufte „Sünderin“ von Emil Nolde. Nach dem Krieg war es zunächst schwierig, den Freundeskreis wiederzubeleben. Seit 1977 führte der „aufregende Versuch der Wiedergewinnung von Gesellschaft durch einen Museumsverein“ zum Gewinn manchen herausragenden Kunstwerks, an dem sich die Allgemeinheit heute freuen kann. So schöne gesellschaftliche Früchte bieten auch Grund zum Feiern. Wenn auch Nicht-Mitglieder, die mitbieten, extra zur Kasse gebeten werden, falls sie auch an dem Fest teilnehmen möchten. Gut möglich, dass sie sich trotzdem anfreunden. Elisabeth Binder

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