Berlin : Wer bis zum Monatsende kündigt, kann im neuen Jahr über 1000 Mark sparen

Bernhard Koch

Der 30. September ist Krankenkassen-Wechseltag. Wer bis zu diesem Tag seiner jetzigen Kasse kündigt, kann zum 1. Januar 2000 bei einer neuen Krankenkasse jährlich bis zu 1150 Mark sparen. Da die Berliner Regionalkassen AOK, Innungskasse und Betriebskasse Land Berlin wegen der hiesigen hohen Klinikpreise vergleichsweise viel Beitrag verlangen müssen, lohnt sich der Wechsel hier ganz besonders. Der Beitragsunterschied zwischen dem Markführer AOK Berlin und der billigsten frei wählbaren Betriebskrankenkasse macht drei Prozentpunkte aus: Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 6375 Mark und mehr beträgt die Ersparnis für den Versicherten jährlich exakt 1147,50. Die gleiche Summe spart der Arbeitgeber, der die Hälfte des Beitrags zahlt.

Bei einem Brutto-Monatslohn von 4000 Mark ist jährlich bis zu 720 Mark weniger Beitrag drin, wer 2500 Mark verdient, kann bis zu 450 Mark sparen. Der Wechsel ist auch dann lukrativ, wenn die Beitragsdifferenz gering ist, etwa zwischen der Techniker Krankenkasse (13,2 Prozent) und Deutsche-Angestellten-Krankenkasse (14,0). Hier kann jährlich bei 6375 Mark oder mehr Monatseinkommen immerhin 306 Mark gespart werden, bei 4000 Mark brutto im Monat sind es 192 Mark im Jahr.

Die Kündigungsfrist 31. September gilt nur für sogenannte Pflichtmitglieder, dies sind Versicherte, die weniger als 6375 Mark im Monat brutto verdienen. Mehr verdienende "freiwillige Mitglieder" können sich jederzeit mit zweimonatiger Kündigungsfrist eine neue Kasse suchen. Gesetzlich versichert sind gut 90 Prozent der Bevölkerung. Kündigen ist einfach: Ein Brief an die alte Kasse und Anmeldung bei der neuen genügt. Da Kassen-Leistungen fast vollständig gesetzlich festgelegt sind, ist der Wechsel praktisch ohne Risiko.

Insbesondere kleinere Betriebskrankenkassen wie die BKK Verkehrsbau-Union, BKK für Heilberufe oder BKK Zollern-Alb (jeweils 11,9 Prozent Beitrag) sind deshalb billiger, weil sie wenig Rentner und gering verdienende Mitglieder haben und als "Direktkassen" ohne ein Geschäftsstellennetz Kosten sparen. Die Kassen-Konkurrenz spricht deshalb von "Rosinenpickern" und Wettbewerbsverzerrung. Unverdient reiche "Orchideenkassen", so der Vorwurf, profitierten zu Lasten unverschuldet armer Volkskassen.

Der Gesetzgeber erlaubt die freie Kassenwahl seit 1996, Gewinner sind bislang vor allem preisgünstige Betriebskassen, Verlierer teure Ortskrankenkassen in wirtschaftlich schwachen Regionen. Mit rund 10 Prozent aller Kassenmitglieder war die Wechselhäufigkeit in Berlin und Hamburg am höchsten, heißt es in der Studie der Technischen Universität, wobei Daten aus dem Jahr 1997 ausgewertet wurden. Kassen-Hopper sind vor allem Jüngere, die vergleichsweise gut verdienen. Rentner und "soziale Härtefälle" wechseln selten. Politisch ist dies eine brisante Entwicklung, da Grundprinzipien der Sozialversicherung (Junge für Alte, Gesunde für Kranke, Reiche für Arme) ins Wanken geraten. Ein Finanzausgleich zwischen allen Kassen fängt zwar grobe Schieflagen auf, insbesondere Ortskrankenkassen und große Ersatzkassen haben im Beitrags-Wettbewerb mit kleinen Betriebskassen jedoch kaum Chancen.

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