Berlin : Wer Deutsch kann, will Deutscher werden (Kommentar)

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Mehr als 130 000 Türken leben in Berlin. Die Ausländerbeauftragte ließ 560 von ihnen fragen, ob sie Deutsche werden möchten. 347 sagten Ja, also 62 Prozent. Ist das viel? Ist das wenig? Die Ausländerbeauftragte schließt daraus, der Wunsch nach Einbürgerung sei erheblich gestiegen. Als Vergleich dient eine sieben Jahre alte Umfrage, bei der "nur" 45 Prozent der Befragten diesen Wunsch geäußert hatten. Aus den Zahlen lässt sich allerhand machen. Zum Beispiel hochrechnen: Mehr als 80 000 Türken rüsten zum Sturm auf die Einbürgerungsämter! Oder runterrechnen: Die Hälfte der Berliner Türken hätte die Umfrage wegen Sprachschwierigkeiten nicht verstanden, ein Viertel hätte sie falsch verstanden, ein weiteres Viertel hätte sie absichtlich falsch beantwortet, ergo: 347 Türken verlieren sich in den Behörden. Dagegen wirkt selbst die Erklärung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky, er halte bei der Einbürgerung eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz für zwingend notwendig, wie eine harte Nachricht. Wer sich trotzdem traut, den Zahlen zu glauben, weiß jetzt, dass zwar jeder Zweite der unter 30-jährigen Berliner Türken seine Freizeit mit Deutschen verbringt, sich aber nicht als Teil der deutschen Gesellschaft sieht, woraus die Ausländerbeauftragte schließt, das eine müsse etwas mit dem anderen zu tun haben. Kann sein, kann auch nicht sein. Wer auf die sichere Seite will, wartet ab, wie viele Türken tatsächlich einen Einbürgerungsantrag stellen - und wie viele die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen.

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