Berlin : Wer die Zukunft sucht, will nach Berlin

Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation geht es wieder aufwärts Eine Tagesspiegel-Serie stellt Menschen vor, die die Chancen der Stadt nutzen

Ralf Schönball

Berlin ist Europas „Place to be“. Hier muss man sein, wenn man Innovation, Wandel und Dynamik sucht – und im globalen Maßstab kann allenfalls Los Angeles mithalten. So meldet es das unabhängige Forum „Hub Culture“, in dem Internetnutzer aus aller Welt Trends aufspüren.

Dies ist nur eine von vielen guten Nachrichten aus den Zukunftsbranchen der Hauptstadt: Berlin ist der zweitstärkste Innovationsstandort Deutschlands, hier sind im letzten Quartal 2006 so viele neue Jobs wie nirgends sonst im Bundesgebiet entstanden. Berlin ist nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation auf dem Weg zurück in die Zukunft. Die Potenziale der Stadt erklärt der Tagesspiegel ab morgen in seiner neuen Serie „Chancen für Berlin“. In 14 Folgen beschreiben erfolgreiche Neu-Berliner, was sie hierher gezogen hat, warum es ihre Branche hier hält, weshalb Berlin Boomtown ist.

Dass sich Berlin unter den globalen Metropolen zurückmelden würde, war noch vor wenigen Jahren nicht zu vermuten. Der Senat rief die obersten Richter aus Karlsruhe an, um den Bund zu Hilfezahlungen zu zwingen. Auf die Abfuhr durch das Verfassungsgericht reagierte die Stadt trotzig – mit der Besinnung auf ihre Stärken. Finanzsenator Thilo Sarrazin verdoppelte die Sparvorgaben und kündigte jüngst schon für das Jahr 2010 einen ausgeglichenen Haushalt an. Die anziehende Konjunktur und wachsende Erfolge pulsierender Zukunftsbranchen könnten ihm dabei helfen.

Ohnehin schon auf Rekordkurs ist die Hotelerie. Berlin zieht fast so viele Touristen an wie London und liegt damit an der Spitze in Europa: Die Auslastung der Betten und der durchschnittliche Zimmerpreis stieg bei den Vier- und Fünf-Sterne-Häusern um ein Viertel. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat dabei geholfen. Wie traumhaft der Berliner Sommer ist, das hat sich in aller Welt herumgesprochen. Die Euphorie ist ungebremst: Eine Million Besucher kamen im Februar, mehr als im Jahr zuvor, und fast zwei Millionen über die Ostertage.

Die gute Stimmung versüßt die teils traurige Wirklichkeit: Berlin gehört die Zukunft, noch aber ist die Stadt Deutschlands Armutsmetropole. Das Wachstum der Wirtschaft hinkt weit hinter dem Durchschnitt her: Nur in dem kleinen strukturschwachen Saarland zieht die Wirtschaft noch langsamer (1,6 Prozent) an als die in Berlin (1,9 Prozent).

Trotzdem: Wer nicht in Berlin ist, der will hier hin. Das gilt nicht nur für Prominente wie Sänger Herbert Grönemeyer und Schauspieler Til Schweiger. 10 000 Neuberliner gewann die Stadt allein 2006. Damit stieg die Zahl der Einwohner erstmals seit fast zehn Jahren wieder auf mehr als 3,4 Millionen. Viele von ihnen bringen Aufträge oder Ideen mit. Schauspieler Brad Pitt etwa entwirft mit Berliner Architekten ein Hotel für Las Vegas. Andere eröffnen einen Laden, nehmen eine CD auf oder tauchen in die Kultur- und Wissenschaftslandschaft zwischen Humboldt-Universität und Adlershof ein. Heraus kommen eigene Firmen und neue Produkte. Ein Beispiel dafür ist das Navigationsgerät für Touristen der Firma Kreative IT-Systeme, das dank der Besucherströme gute Verkaufschancen hat.

Sicher, einige scheitern, so wie andere vor ihnen: Das In-Restaurant Maxwell meldete kürzlich Insolvenz an. Die Gäste dürften davon kaum etwas gemerkt haben: Am selben Ort werden unter dem selben Namen weiterhin Küchenkreationen gereicht, „karamelisierte Pastinakentarte mit grünem Spargel und Tomatenvinaigrette“ etwa. Auch das Musik-Label Kitty-Yo aus Prenzlauer Berg konnte seine Rechnungen vorübergehend nicht mehr zahlen – doch die Produzenten starten neu durch. Die gute Nachricht aus dem Reich der Jungunternehmen ist: Die Zahl der Insolvenzen sank 2006 im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent.

Wer aber sind die Firmen und die Macher, die Berlin in die Zukunft führen, die Weichen stellen in Musik, High-Tech und Wissenschaften, in Tourismus, Film und Kunst? Die Antwort gibt unsere Serie – ab morgen im Tagesspiegel.

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