Berlin : Wer Fehler macht, sollte sich dazu bekennen und nichts "einräumen" (Glosse)

Ekkehard Schwerk

Wenn über heikle Dinge berichtet wird, fällt oft ein Verb ganz und gar neben dessen Bedeutung: "einräumen". Eine Eindeutigkeit wird damit ummäntelt. Der unstreitig Unterlegene bei einer Wahl "räumt" in der rituellen Berichterstattung seine Niederlage ein. Ach nee! Da ist nichts einzuräumen, nur einzusehen mit allen Konsequenzen. Was bedeutet also "einräumen"?

Man kann Jugendlichen einräumen, gelegentlich über die Stränge zu hauen, kann ihnen also etwas nachsichtig zugestehen. Wer aber eine politische oder wirtschaftliche oder anderweitige Schweinerei begeht, kann sich nicht reinwaschen, indem er "einräumt", doch nur eine kleine Ferkelei in Kauf genommen zu haben, will sagen: sie leider nicht verstanden hat zu verheimlichen. Auch ein Ferkel ist ein Schwein.

Um gegen alle Wahlverlierer und Strolche Gerechtigkeit zu üben, muss freilich an die eigene Zunftnase gegriffen werden. Selten stellen sich Strolche oder Politiker hin und "räumen" etwas ein. Vielmehr verzapfen wir Journalisten diesen Quatsch ja selbst. Aus Brandenburg wurde gestern gemeldet, die Polizei habe bei dem Brand der Truman-Villa "eingeräumt", keine heiße Spur zu haben. Nein, sie hat das entweder eingestanden nach vielleicht vorherigem Leugnen, oder sie hat es schlichtweg gesagt. Allenfalls die Öffentlichkeit kann der Polizei eine ruhige Fahndung einräumen, also zugestehen.

Aber so ist das mit vielen falschen Begriffen. Stehen sie erst einmal in der Zeitung, dann sind sie im Umlauf. Allerdings ist Einsicht bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. So muss zum Beispiel mit dem falsch verwendeten Verb "einräumen" endlich aufgeräumt werden.

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