Berlin : Wer ist Familie und wer nicht? Homosexuelle zogen vor die Hedwigs-Kathedrale

Heidemarie Mazuhn

Vor der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Mitte bekamen die himmlischen Mächte gestern weltlichen Beistand. Ein Polizeiwagen bewachte am August-Bebel-Platz den Gottesdienst zum traditionellen „Familiensonntag“ der Katholischen Kirche – gestern zugleich der Auftakt einer dreijährigen Kampagne für Ehe und Familie. Deren Zukunft sei von fundamentaler Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaft. So hatte Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky die Aktion begründet.

Dagegen gab es gestern Protest. Vor dem Gottesdienst durchquerten die Kirchgänger eine Demonstration von Homosexuellen. Ein Dutzend Männer und Frauen hatte sich vor der Kathedrale aufgestellt und verteilten rosa Zettel an die Kirchgänger. Auf Plakaten am Bauzaun gegenüber waren ihre Forderungen zu lesen, am häufigsten: „Auch wir sind Familie.“ Gestern liefen bundesweit Proteste von Lesben und Schwulen gegen die Diskriminierung Homosexueller durch die katholische Kirche.

Der Berliner Weihbischof Wolfgang Weider übersah die Demonstranten vor der Tür nicht. Zur Eröffnung des Hochamtes ging er auf sie ein, stellte aber gleichzeitig fest, dass die katholische Kirche an ihrem „christlichen Familienbild“ festhält: „Das besteht aus einem Mann und einer Frau und den Kindern.“

Und sprach dann vom Lamm Gottes, das in Jesus von Nazareth die Schuld der Welt auf sich nimmt. Aber wir müssen sie ihm bringen, sagte der Weihbischof in seiner Predigt. Jesus stirbt, damit wir alle leben können. Durch ihn, den Gottesknecht, werden wir in die Freiheit der Kinder Gottes geführt. Das feiere die Kirche in jeder Heiligen Messe, sagte Weider in seinen Ausführungen über die Kommunion. Alle seien eingeladen zum Heiligen Mahl, zu dem man als Sünder käme und aus Gnade empfange.

Es gelte, wie Jesus von Nazareth in der Hingabe für andere sein Selbstverständnis zu finden. Und man solle den Mut haben, sich zu verlieren: Eltern an Kinder, Ehepaare aneinander, Jüngere an Ältere – aber immer im Rahmen dessen, was die Katholische Kirche als christlich versteht.

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