Berlin : Wer ist Semtix?

Studentengruppe mit merkwürdigem Namen sollte ein Semesterticket aushandeln und scheiterte dabei

Tilmann Warnecke

„Semtix“ klingt ein wenig wie „Semtex“. Dass die Assoziation nicht ganz ungewollt ist, geben Mitglieder der studentischen Verhandlungsgruppe für das Semesterticket selber zu. Wie Sprengstoff lässt auch die nicht unbedingt geschmackssicher benannte Semtix- Gruppe gern mal was hochgehen. So wie jetzt die Verhandlungen mit dem VBB über eine Verlängerung des Semestertickets an Freier und Humboldt-Universität. Das werfen ihnen zumindest Kritiker vor, nachdem Studentenvertreter an FU und HU in einer Urabstimmung nicht nur das Angebot des VBB (141 Euro) zur Wahl stellten, sondern auch einen eigenen Vorschlag über 118,50 Euro, von dem klar war, dass der VBB ihn nicht akzeptiert. Die Studenten lehnten das teurere Angebot prompt ab. Semtix handele nicht im Sinne der Studenten, sagen Kritiker – dabei beruft sich Semtix auf deren Mandat. Denn bei Semtix verhält es sich ein wenig wie mit einem Parlamentsausschuss. Jedes Studentenparlament der 13 Berliner Hochschulen entsendet einen Vertreter in die Semtix-Gruppe, die die Interessen der Unis bündeln soll.

Allerdings streitet Semtix seit Mitte der 90er Jahre mit den Verkehrsunternehmen – die sich ebenfalls oft wenig verhandlungsbereit zeigten. Und manche sitzen schon so lange dabei, dass selbst Wohlmeinende eine gewisse Halsstarrigkeit der Gruppe nicht abstreiten. „Da geht es auch viel um grundsätzliche Fragen“, sagt Peter Hartig vom Referentenrat der Humboldt-Uni. TU-Vertreter Claus Colloseus, 37, sitzt seit 1998 bei Semtix. Auch Florian Böhm, der lange als Chef von Semtix galt und inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU ist, berät die studentischen Vertreter noch immer in Tariffragen. Erst seit kurzem läuft ein Generationswechsel. Nicole Eschner, 25-jährige FU-Beauftragte und Germanistik-Studentin im zwölften Semester, ist erst seit zwei Jahren dabei. Und obwohl Semtix Urabstimmungen weder einberufen noch deren Fragen formulieren kann – das machen die Studentenparlamente – folgen diese oft den Vorschlägen der Gruppe. Die Studentenvertreter wehren sich allerdings gegen Vorwürfe, sie hätten den Studierenden einen unrealistischen Verhandlungsspielraum vorgegaukelt. Auf den Stimmzetteln stand neben der Frage nach 118,50 Euro zumindest der Hinweis, dass „nicht garantiert werden kann, dass die Unternehmen des VBB dieses Angebot annehmen.“

Die Verkehrsverwaltung ist nach Auskunft ihrer Sprecherin Petra Rohland bereit, den Vorschlag des VBB und die Einwände der Semtix-Gruppe zu prüfen. „Ich kenne viele Studenten, die traurig sind, wenn eine Einigung nicht klappt“, sagt Rohland.

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