Berlin : Wer malt, trinkt nicht und bringt wieder Farbe in sein Leben

Thomas Neubacher-Riens

Peter ist gekommen, obwohl "ich hier nicht kiffen darf" und Gerd hat schon draußen einen gegen das Zittern getrunken, weil das in der "Gitschiner 15" nicht geht. Beide besuchen den Kulturtreff für Obdachlose und Arme, der seit gestern Bilder und Skulpturen von und mit Obdachlosen ausstellt. Bei der Eröffnung debattierten Künstler, Gäste und Politiker lautstark bei Kaffee, Saft und Zwiebelmett.

Gezeigt werden lebensgroße Kreidebilder, die aus Dia-Vorlagen des Malers und Fotografen Bernd Schmich entstanden. Mit der üblichen Ästhetik aus dem Armenmilieu hat das nichts zu tun. Die meisten Bilder sind bunt. "Wir malen, weil es Spaß macht.", sagt Gerd, der mal bei seiner Frau, mal in der U-Bahn schläft. Abends spielt er Theater bei den "Ratten 07". Dass Malen oder Theater spielen Obdachlose "gesellschaftlich stabilisiert", betonten in ihren Reden zur Eröffnung sowohl Obdachlosenpfarrer Joachim Ritzkowsky als auch Jutta-Monika Gutsche, die Psychiatrie-Koordinatorin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg: Wer malt, trinkt nicht. Auf Hottes Portrait liest sich das einfach. Neben deftigen Sprüchen notiert er sein Künstler-Credo: "Slowly to the top."

Rolf Kellermann zeigt, wie man mit der Kunst aus der Klemme kommt. Mit rund 20 Landschaftsbildern und Portraits beteiligt er sich an der Ausstellung. Bei der Vernissage spricht er mit Stefan Zackenfels. Der SPD-Abgeordnete hat mittlerweile zwei Kellermanns in seinem Büro hängen und schaut sehnsüchtig auf eine weitere Allee-Landschaft, die aus dem Pinsel van Goghs stammen könnte.

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