Berlin : Wer sich umdreht, hat schon verloren

Reine Nervensache: Meisterschaft im Computerspiel „Tekken“

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„Tastenakrobaten sind das“, sagt der Pressemensch. Die Akrobaten sind ab acht Jahre alt, aber niemals älter als 25. Der Durchschnitt der Teilnehmer an dieser Deutschen Meisterschaft ist gefühlte 14 und hat Schlabberhosen und Turnschuhe an. 500 dieser jungen Menschen ermittelten gestern in der ehemaligen Staatsbank der DDR an der Französischen Straße den Meister im „Tekken“. Tekken, das muss erklärt werden: Tekken ist ein KampfsportComputerspiel an der Sony-Playstation, das mittlerweile in 4. Auflage vorliegt, deshalb auch „Tekken 4“. Dass Tekken eine Bedeutung hat, die noch nicht jedem Älterem klar ist, zeigt die Internet-Suchmaschine Google: Zu „Tekken“ gibt es 737 000 Treffer. Zum Vergleich: Tippt man „Schröder“ bei Google ein, gibt es 767 000 Treffer. Also ist Tekken eigentlich fast so bekannt wie der Kanzler.

Keiner der Jugendlichen blickte um sich, als ihm ein neugieriger Journalist über die Schulter blickte. Denn wer sich im Spiel umdreht, hat verloren. Jeder will gewinnen, denn der Sieger dieser 1. Deutschen Meisterschaft fährt nach London, zur Europameisterschaft im März. Die Spieler sammelten sich gestern Vormittag, beim Einlass gab es lange Schlangen auf dem Bürgersteig. Jeder der kam, durfte mitmachen. Eine Altersbegrenzung gibt es bei Tekken nicht.

„Ballerspiel“ hört der Tekken-Pressemensch überhaupt nicht gern. Beim Tekken müssen über eine Spezialtastatur zwei Kickbox-Figuren auf dem Bildschirm bewegt werden, das geschieht in verblüffender Geschwindigkeit. So steht es im Tekken-Pressetext: „Neben altbekannten (also offensichtlich aus den vorangegangenen Versionen 1 bis 3 bekannten) Kickfightern wie Jin und Heihachi treten beispielsweise auch die hübsche Christie Monteiro und der kraftvolle Ringkämpfer Craig Marduk an. Alle zeichnen sich durch ihren ureigensten Kampfstil aus.“ Ende des Zitats, auf dem Bildschirm sehen die Figuren nahezu fotorealistisch aus, dem Fremden erschließt sich jedoch nicht so schnell, wer Heihachi und wer Jin ist. Zum Spiel gehört die Musik, die ohrenbetäubend durch die Staatsbankhalle hämmert, die Tastenakrobaten jedoch zu motivieren scheint.

Ein Spiel dauert nur eine Minute, die zusammengewürfelten Gruppen kämpften Jeder gegen Jeden, Wer zuerst vier Siege beisammen hatte, war eine Runde weiter, am Abend sollte der beste Tastenakrobat gekürt werden. Ha

Das Spiel im Internet:

www.tekken-4.com

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