Berlin : Wer suchet…

Andreas Conrad

hat Angst, sein Fahrrad zu verlieren Es ist schon vorgekommen, dass einer die Bettwäsche der Familie hergab, um wieder ein Rad zu besitzen. Solch ein Gefährt bedeutete für Antonio Arbeit als Plakatkleber, es war existenziell in Zeiten wuchernder Arbeitslosigkeit. Die Story kommt manchem bekannt vor? Ganz recht, Vittorio de Sicas „Fahrraddiebe“, gedreht 1948 in Rom, ein Meisterwerk des Neorealismus. Kein nur historisches Werk, vielmehr aktuell, schon angesichts wieder wuchernder Arbeitslosigkeit, doch auch aus anderem Grund. Gewiss, im Tausch gegen Bettwäsche ist ein Rad heute kaum mehr zu bekommen. Aber hat man es, woher auch immer, endlich in Besitz und wird es einem womöglich rasch wieder geklaut, dann ist der Berliner in einer Lage, die der Antonios bedrückend ähnelt. Die Polizei, dein Freund und Helfer? Nicht, soweit es ums Aufspüren des Fahrrads geht. Man kann nur selber suchen – oder sich an anderen Rädern schadlos halten. Aber das, Antonios Schicksal zeigt es, ist auch keine Lösung.

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