Berlin : Wer weiß?

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Andreas Conrad über den Weihnachtswettlauf der Meteorologen

Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Oder genauer gesagt, fast nichts, denn noch ist ja nicht Weihnachten. Aber Petrus, Herr über alle Wetter und damit auch über die Schneewolken, hält die Kugel schon in der Hand, setzt bereits an zur alljährlichen Mahnung: Meine Damen und Herren Meteorologen, machen Sie Ihr Spiel! Weiße Weihnachten, ja oder nein?

Dieses himmlische Spiel – angesichts der hohen Schneewahrscheinlichkeit im Lande Putins könne man fast von Russischem Roulette sprechen, wäre dieser Begriff nicht anderwärtig besetzt – weist eine Besonderheit auf: Es geht nicht allein um die Frage Schwarz oder Weiß – auch die prozentuale Wahrscheinlichkeit, mit der die Flocken fallen werden oder auch nicht, spielt ins Ergebnis hinein. Und so grübeln die Wolkenkundler vermutlich seit Tagen, wie weit man sich ohne Risiko vorwagen darf, bei welcher Prozentzahl die Grenze zwischen zulässiger Prognose und populistischer Spekulation überschritten wird.

Dass alle Welt hoffnungsfroh zum Himmel starrt, macht ihre Aufgabe nicht leichter. Und kaum einer nimmt das Wetterschicksal in die eigene Hand und streicht in der Nacht vor Weihnachten Haus, Garten und nähere Umgebung schneeweiß, den Kindern zuliebe, wie dies einst Donald Duck vorgeführt hat. Tick, Trick und Track waren am nächsten Morgen hellauf begeistert, das Fest schien gerettet – bis der gute Donald selbstzufrieden vors Haus trat und prompt von einer Dachlawine verschüttet wurde. Denn über Nacht hatte es tatsächlich doch noch geschneit, allen Prozentrechnungen zum Trotz.

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