Berlin : Wer will schon nach Düsseldorf?

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Düsseldorf (Tsp). Schlachtrufe haben beim Football in Europa wenig Tradition. Wie auch, schließlich existiert die NFL Europe erst seit elf Jahren und steckt, was die Fankultur betrifft, noch in den Kinderschuhen. Düsseldorf und Frankfurt sind weithin leuchtende Ausnahmen. Doch selbst in Düsseldorf ist ein: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ als lauthals formuliertes Saisonziel einer Fußball-Fangemeinde kaum denkbar. Allein deshalb, weil der Finalort in der NFL Europe im Gegensatz zum deutschen Fußball-Pokalendspiel in jeder Saison wechselt. In diesem Jahr muss es zum Beispiel heißen: „Düsseldorf, Düsseldorf, wir fahren nach Düsseldorf.“ Das ist zu lang und daher wenig reizvoll. Trotzdem werden sich die Anhänger von Berlin Thunder beim Spiel gegen Rhein Fire im Düsseldorfer Rheinstadion gewünscht haben, am 22. Juni noch einmal anzureisen. Sie hofften vergeblich. Die Berliner unterlagen mit 14:24 (7:7, 0:0, 7:14, 0:3) gegen Rhein Fire und müssen sich wohl mit der misslungenen Titelverteidigung abfinden. Nur ein Sieg mit fünf Punkten hätte Thunder an Düsseldorf und damit an den für den Finaleinzug notwendigen zweiten Platz herangebracht. Auch wenn nach der Niederlage des Tabellenführers Frankfurt noch eine kleine Chance besteht.

Dabei spielte das Team von Headcoach Peter Vaas sogar überlegen. 64 Prozent der Spielzeit war seine Offensive im Ballbesitz. Mit Quarterback Tood Husak stellte Thunder den besten Spielmacher des Spieltages und mit dessen Ersatzmann Tim Hasselbeck in seiner kurzen Einsatzeit auch noch den effektivsten. Husak erreichte 285 Yards, und Hasselbeck misslang in sieben Versuchen nicht ein Spielzug. Auch die beiden besten Passempfänger der Woche kamen aus Berlin. Doch diese statistische Überlegenheit nützte Thunder nichts. Am Ende kam zu wenig Zählbares heraus. Die beste Abwehr der Liga wehrte sich erfolgreich gegen die beste Offensive der Liga. Nur zwei Berliner Spielzüge landeten in der Endzone: Jermale Kelly fing im ersten Viertel einen 25-Yard-Pass und Dane Looker im dritten Viertel einen 14-Yard-Pass jeweils von Husak. Beide Male zum Ausgleich. Danny Boyd gelang es in seinen beiden Fieldgoal-Versuchen dann aber nicht, zwischen die Torstangen zu treffen und somit die erhoffte Führung zu erzielen.

Den Düsseldorfern reichte am Ende ein Touchdown und ein Fieldgoal Vorsprung. In einer Begegnung, die als eine von nur dreien in dieser Saison vom Sender Fox in die gesamte USA übertragen wurde. Neben dem World Bowl natürlich. Schließlich wollen die US-Fans sehen, wie ihre künftigen Stars in Europa den Pokal gewinnen – aus der Ferne. Dafür fahren sie nicht in das weite Düsseldorf, ebenso wenig wie die Thunder-Fans – die bleiben in Berlin.

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