Berlin : Werbeaktion der CMA: Herr Conrad rät zu Rindfleisch

Für die Grüne Woche trat die CMA (Centrale Marketingesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) werbetechnisch noch einmal richtig aufs Gas. Auf 300 Plakaten in der Stadt behaupten Sterneköche wie Alfons Schuhbeck und Michael Wollenberg, weiterhin nicht auf Rindfleisch zu verzichten. Einer von ihnen: der Berliner René Conrad vom Restaurant "Viehhauser" in Mitte.

Eine peinliche Aktion? "Der Anruf von der CMA kam im Oktober letzten Jahres", sagt Conrad. Zu einer Zeit also, als BSE in Deutschland gerade erst wieder ein Thema wurde. Conrad erklärt, er habe eine Grundsatzdiskussion in Gang setzen wollen über verantwortungsbewusste Küchenchefs und auch über den Wert von Lebensmitteln. Gerade in Berlin sei der Kostendruck auf die Restaurants besonders groß. "In Hamburg könnte man ein Mehrfaches dessen verlangen, was in Berlin die Gäste für ein Gericht zu zahlen bereit sind." Heute, drei Monate und 13 BSE-Fälle später, steht Conrad noch immer zu seiner Entscheidung. "Ich werde auch weiterhin Rindfleisch anbieten." Er vertraut seinem Lieferanten. Bei ihm habe er selbst anderthalb Jahre gearbeitet. "Da ist alles frisch und hochwertig. Was ich anbiete, muss so lecker sein, dass ich selbst gern in das rohe Fleisch beißen würde."

Dass selbst Koch-Experten mit ihrem Fachwissen am Ende sind, wenn es um die Risiken durch BSE geht, weiß auch die CMA. Wissenschaftler habe man aber nicht fragen können. "Keiner von denen sieht sich in der Lage, eine Aussage zu machen, die Bestand hätte", sagt CMA-Marketingchef Michael Vogt. Mit der Good-Will-Aktion der Köche wolle man ein Zeichen gegen den Zeitgeist setzen. "Weil niemand mehr wagt, sich zum Genuss von Rindfleisch zu bekennen."

I.B.

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